Woidke siegt mit Woidke

Jetzt aber zu den wirklich wichtigen Ergebnissen des gestrigen Tages, vorläufiges amtliches Endergebnis der Landtagswahl in Brandenburg (23.18 Uhr):

SPD 30,9
AfD 29,2
BSW 13,5
CDU 12,1
Grüne 4,1
Linke 3,0
Freie Wähler 2,6
Sonstige (inkl. FDP): 4,6

Dietmar Woidke hat alles auf eine Karte gesetzt – und gewonnen. Auch wenn er sein Direktmandat an den AfD-Kandidaten verlor, die Jugend AfD wählt und die offen rechtsextreme Partei nun eine Sperrminorität im Landtag hat, stand Woidkes SPD in Brandenburg mal wieder ganz oben. Und das reichte vielen für den Moment für eine ausgelassene Party.

Als Siegerin sieht sich allerdings auch die AfD, und zeigte gleich mal wieder Deutschlandflagge: Bei der Wahlparty in einem Gasthof im Potsdamer Ortsteil Marquardt, sangen einige Teilnehmer fröhlich „Hey, was geht ab? Wir schieben sie alle ab.“ Die Polizei prüft das jetzt. Mittendrin bei dieser Party: Die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke und ein alter Berliner Bekannter: Ex-Finanzsenator Peter Kurth (ehemals CDU), der nun offenbar endgültig neue Freunde gefunden hat.

Immerhin treibt die politische Lage die Menschen um und damit vor die Tür. Wie schon in Sachsen war die Wahlbeteiligung in Brandenburg mit 72,9 Prozent so hoch wie noch nie. Was Woidke mit dem Ergebnis anfangen kann, ist allerdings offen: Seine Koalition hat die Grünen verloren, die wie in Thüringen aus dem Landtag geflogen sind, die FDP wird auch in Brandenburg nur noch unter „Sonstige“ geführt. Das BSW hat die Linke pulverisiert – und zwischen SPD/CDU und AfD/BSW steht es in Sitzen 44:44. Anders als beim Tennis, wird es in Brandenburg kein Entscheidungs-Match mehr geben. Mit diesem Ergebnis müssen sich nun alle Beteiligten arrangieren – und vielleicht mal auf großer Bühne Konsequenzen ziehen.