Berlin lockt Firmen aus Brandenburg an
Mehr Raum für Verständnis füreinander braucht es auch für den Großraum Berlin-Brandenburg. Nach jahrelangem gegenseitigem Abwerben von Lehr- und Verwaltungskräften sowie dem monatelangen Streit um das von Berliner Koalition erzwungene 29-Euro-Ticket für die Innenstadt macht die Metropole dem Umland nun die Firmen abspenstig. Die Portale „Mobile.de“ und „Kleinanzeigen“ ziehen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden von Kleinmachnow nach Berlin-Charlottenburg. Für die Stadt südwestlich von Berlin bedeutet das jährlich 16 Millionen Euro weniger Gewerbesteuern, scheibt das Büro von Bürgermeister Michael Grubert (SPD) auf Checkpoint-Anfrage. Nun drohten „massive Sparmaßnahmen in den kommenden Jahren“.
Für Brandenburgs Grünen-Chefin Alexandra Pichl ist der Abgang „ein Weckruf für die Region“. Sie fordert eine bessere Anbindung des Umlands an den Nahverkehr, die Reaktivierung der Stammbahn dürfe nicht weiter verzögert werden. Der Wiederaufbau der alten S-Bahn-Strecke soll erst 2035 fertig sein. „Die Stammbahn ist für den gesamten Westen Brandenburgs elementar“, sagte Pichl dem Checkpoint. „Wir können es uns nicht leisten, dass weitere Unternehmen abwandern, weil die Verkehrsinfrastruktur nicht ausreicht.“ Darüber hinaus fordert die Kleinmachnowerin eine Internet- und Verkehrsanbindung für bereits vorhandene
Gewerbeflächen in allen Teilen Brandenburgs, um nicht in der Nähe Berlins alle Wiesen zubauen zu müssen.
Kleinmachnow setzt weiter auf Kooperation statt auf Konfrontation mit der Metropole. „Wir liegen nicht im Wettstreit mit Berlin“, schreibt Stadtsprecherin Martina Bellack. Sonst könnte man die Region wohl auch umbenennen: in Kleinkleckersdorf.