Kein Platz für Historisches: Traditionsbusse werden weggentrifiziert

Ein Verkehrsthema etwas anderer Art: Historische Fahrzeuge, die in Berlin der Gentrifizierung zum Opfer fallen. Die Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin (ATB), die seit nunmehr 30 Jahren alte BVG-Busse sammelt, sucht dringend einen neuen Unterschlupf für ihre mehr als 50 (noch fahrtüchtigen) Karossen. Der Grund: Die Blechhallen in Haselhorst/ Spandau, in der die Busse derzeit untergebracht sind, werden demnächst abgerissen, weil dort neue Wohnungen entstehen.

„Wir zahlen momentan eine sehr günstige Miete, das findet man auf dem Berliner Markt nicht so leicht“, sagt Geschäftsführer Stefan Freytag auf Checkpoint-Anfrage. Deutlich höhere Mieten könne sich der „kleine Betrieb“ nicht leisten. Der Berliner Senat „unterhält zur ATB keine Beziehungen“ (Q: Anfrage Torsten Hofer / MdA SPD). Die BVG teilt mit, dass die Unterbringung der BVG-Linienfahrzeuge „höchste Priorität genießt“. Gegebenenfalls könne nach der Fertigstellung des Straßenbahnbetriebshofes Adlershof der Betriebshof Köpenick als Depot berücksichtigt werden.

Freytag selbst liegen die Fahrzeuge auch deshalb am Herzen, weil sie eine Geschichte erzählen. Die vom Wagen 2626 (zugelassen am 30. Mai 1975 / Foto hier) hat er uns so näher gebracht: „Dieser Wagen war einer der ersten des brandneuen Typ SD. Natürlich verkehrte er die erste Zeit vom Hof Cicerostraße auf den Kurfürstendamm-Buslinien 19 und 29. Danach ‚wanderte‘ er nach Zehlendorf, wo er bis 1984 in Dienst stand und am 30.11.1984 für den Straßenverkehr abgemeldet wurde.

Nach der Reparatur eines schweren Unfalls kam er 1985 ins BVG-Museum auf dem Betriebshof Britz, das 1993 an das Deutsche Technikmuseum Berlin übergeben wurde. Da 2626 damals noch zu neu für das Technikmuseum war, kauften wir den Wagen samt weiteren 4 anderen Autobussen von der BVG. Am 31.03.2004 nahmen wir 2626 erneut für die Fahrgastbeförderung in Betrieb.

Anlässlich von Filmarbeiten für „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erhielt er diese historische Tagesspiegel-Werbung, die auf baugleichen Bussen ab 1976 zu sehen war. Leider ist das Gelb zu hell geworden und ich ärgere mich hierüber heute noch. (…) Die Fotos entstanden im BVG-Liniendienst, den wir seit über 21 Jahren täglich fahren, und auf einer Schüler-Sonderfahrt im Mai 2020. (…) Unsere Busse sollen fahren! Nicht immer und nicht jeden Tag, aber doch regelmäßig. Sie sind bis ins letzte Detail Zeugen ihrer Zeit und erfüllen im Hier und Jetzt ihre Aufgabe.“ Über das Leben eines Busses.