Showdown in Charlottenburg
Gar nicht nach Party ist derzeit der SPD zumute, dabei hatte doch ihr neuer Kanzlerkandidat gerade zu Geschlossenheit aufgerufen. Doch dagegen ist Berlin bekanntlich resistent. Weshalb es nun trotz bewährter Hinterzimmer-Männerrunden zum offenen Kampf um eine Bundestagskandidatur kommt, Showdown in Charlottenburg, und der geht so: Staatssekretärin tritt gegen ihren Chef an. Obwohl der Regierende bereits am Montag erklärt hatte, in Charlottenburg-Wilmersdorf für den Bundestag kandidieren zu wollen, erklärte auch Sawsan Chebli dort gestern Abend ihre Kandidatur. „Ab heute stehe ich, Sawsan Chebli, der SPD und meinem Kreisverband als Kandidatin für die nächste Wahl zum Deutschen Bundestag zur Verfügung“, ließ Chebli am Abend verbreiten. „Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe und in einer Partei aktiv sein darf, wo nicht Anspruchshaltung, sondern Engagement und Überzeugungen den Ausschlag geben.“ Linker Haken, Treffer. Während Müller bei seiner Rede am Abend zwar mehr Applaus bekam und Chebli ohnehin kaum Chancen ausgerechnet werden, waren gestern auch andere Stimmen zu hören: So mancher ist offenbar nicht ganz glücklich über die Herren Kühnert und Müller, die die Wahlkreise Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf unter sich verteilt hatten und das auch mit dem Listenplatz 1 vorhaben. Wo das doch immer ein Frauenplatz war.
Offiziell läuft die Bewerbungsfrist in Cha-Wi übrigens noch bis zum 10. September. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?