Antisemitische Gewalt: Bündnis fordert Antisemitismus-Check

Aufgewärmt ist sicher nichts von dem, was Yorai Feinberg in seinem Restaurant in der Schöneberger Fuggerstraße anbietet, koscher aber auf jeden Fall – deswegen ist der 36-Jährige schon häufig attackiert worden. Als er davon im Dezember ein Video veröffentlichte, löste das weltweit Reaktionen aus. Seither sei es nur noch schlimmer geworden, sagt Feinberg nun, ein gutes halbes Jahr später: Er bekomme unzählige Hassmails und Morddrohungen, schrieb er auf Facebook. „Da es seitens der Staatsanwaltschaft wenig Erfolge und Verfolgung der Straftaten zu geben scheint, erlauben sich die Täter mehr und mehr.“ Facebook löschte den Post wenig später, weil der gegen die Standards zur Hassrede verstoße – Feinberg hatte einige Anschuldigungen zitiert. Zehn Anzeigen habe er bei der Polizei gestellt, bis auf die letzte seien alle eingestellt worden. Die Hasspost hat er dokumentiert und meinem Kollegen Alexander Fröhlich geschickt: Es sind widerliche 31 Seiten.

Im Dezember noch hatte Feinberg entspannt gewirkt und sich über die Anteilnahme gefreut: „In Berlin kommen auf einen Teufel vielleicht 500 Engel“, hatte er damals gesagt. Es ist nur ein Gefühl, dass dieses Verhältnis sich stetig verschlechtert.  

Denn auch am Wochenende gab es wieder einen offenbar antisemitisch motivierten Vorfall: Am Hackeschen Markt fragte ein junger Syrer eine größere Gruppe gleicher Herkunft nach Feuer, als jemand seinen Davidstern bemerkte, beleidigten sie ihn und schlugen zu, traten auf ihn ein. Der 25-Jährige wurde im Krankenhaus behandelt, die drei Frauen und sieben Männer wurden festgenommen und später wieder freigelassen. Der Staatsschutz ermittelt.  

Derweil hat die Verteidigung des 19-jährigen Syrers, der im April einen Kippa-tragenden Israeli in Prenzlauer Berg mit einem Gürtel geschlagen hatte, Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts eingelegt: Knaan al S. war zu vier Wochen Arrest verurteilt worden, hatte aber zwei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Dafür fordert er nun Entschädigung – ihm stünden pro Tag 25 Euro zu, macht bei fünf Wochen knapp 1000 Euro.

Mehr Ehrlichkeit im Umgang mit dem Antisemitismus von Muslimen fordern mehrere jüdische Organisationen in einer Grundsatzerklärung, die heute veröffentlicht werden soll. „Ich erwarte, dass die Bundesregierung und die Landesregierungen auch den Antisemitismus unter Muslimen als solchen ernst nehmen“, sagt Lala Süsskind, Vorsitzende des Jüdischen Forums. Dass der muslimische Antisemitismus durch Muslimfeinde instrumentalisiert werde, könne nicht durch Relativieren verhindert werden. Das Verharmlosen schade „einer wirksamen Bekämpfung des Antisemitismus“ und wirke auf die Opfer wie Hohn.