So weiß soll die Bundestagsliste der Grünen aussehen

Die Berliner Grünen hatten sich selbst verordnet, bis 2021 den Anteil diskriminierter Gruppen in ihren Reihen zu erhöhen. Das scheint ihnen kaum gelungen zu sein. Von Julius Betschka

So weiß soll die Bundestagsliste der Grünen aussehen
Bettina Jarasch, Spitzenkandidatin der Berliner Grünen, hat kürzlich eine Migrantenquote von 35 Prozent im öffentlichen Dienst gefordert. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Politisches Großereignis voraus: Berlins Grüne wollen am Wochenende ihre Spitzenkandidatin Bettina Jarasch krönen, auch die Bundestagsliste soll gewählt werden. Details werden heute um 10 Uhr auf einer Pressekonferenz verkündet. Ungewöhnlich für die Partei ist, dass sich der linke und der Realo-Flügel sehr klar geeinigt haben, wer auf welchen Plätzen gewählt wird. Schon vergangene Woche wurde ein Regieplan für einen reibungslosen Ablauf verschickt. Dem Checkpoint liegt ein Foto der zwischen den Flügeln ausgehandelten Bundestagsliste vor: Auf Platz 1 soll Lisa Paus gewählt werden, auf Platz 2 Stefan Gelbhaar, Platz drei ist für Renate Künast reserviert, auf Platz vier soll Andreas Audretsch durchkommen und Platz fünf ist für die Co-Landesvorsitzende Nina Stahr gesetzt. Auf Platz 6 wünschen sich die Flügel Laura Dornheim, Özcan Mutlu hat nur Außenseiterchancen. Nur Platz 7 wird offen zwischen Juliana Wimmer und Annka Esser ausgetragen, Platz 8 ist für Bernd Schwarz reserviert und Platz 9 für Hannah Steinmüller. Soweit, so Deal. Soweit, so weiß.

2017 hatten Berlins Grüne das Vielfaltspapier „Plural nach Vorn” beschlossen. Die Partei verordnete sich darin diskriminierungssensible Sprache und Diversity-Trainings. Außerdem wurde eine Zielvereinbarung geschlossen: Bis 2021, also jetzt, soll der Anteil diskriminierter Gruppen in Gremien oder auf Bundestagslisten dem an der Bevölkerung entsprechen – bei Migranten wäre das in Berlin ein Drittel. Für die ersten neun Plätze der Bundestagsliste hieße das, mindestens drei Menschen mit Migrationsgeschichte müssten vertreten sein. Wir zählen...maximal einen. Spitzenfrau Bettina Jarasch hatte mit den Worten „In der Verwaltung der Stadt muss sich auch die Stadtgesellschaft abbilden“ kürzlich eine Migrantenquote von 35 Prozent im öffentlichen Dienst gefordert. Und welche Gesellschaft soll die grüne Bundestagsliste abbilden?