Das Land Berlin und das Homeoffice-Dilemma

Das Land Berlin läuft derzeit ein Schneckenrennen – und zwar im Neuland namens Homeoffice. Wieso es nicht nur an fehlenden Geräten hapert. Von Lorenz Maroldt.

Das Land Berlin und das Homeoffice-Dilemma
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bei unserem beliebten Behördenpingpong schlägt heute die Innenverwaltung auf: „Für die IT-Infrastruktur sorgen die Bezirke selbst“, heißt es in der Jubelmitteilung über den Beginn der Auslieferung von 5000 Notebooks an die Rathäuser. In Friedrichshain-Kreuzberg kamen gestern 1006 Stück davon an (so sah das bei Baustadtrat Florian Schmidt aus), zur Frage der Netzkapazitäten retournierte Bürgermeisterin Monika Herrmann scheinbar routiniert: „Das muss das IDTZ machen“ – womit sie offenbar das bei der Innenverwaltung (siehe oben) angesiedelte Senatsunternehmen ITDZ meint. Ein klassischer Netzroller, aber am Ende landet der Ball wieder dort, wo er herkam. 

Fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie verfügen übrigens nur zwölf Prozent der Verwaltungsangehörigen über die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten – für die Komplettumstellung auf mobile Arbeitsfähigkeit sind fünf Jahre veranschlagt. Der Ruf nach mehr Homeoffice wird in den Berliner Behörden vom Fiepsen der Faxgeräte übertönt.

Fast ebenso hoffnungsfroh stimmt der folgende Satz aus der „Gemeinsamen Erklärung zum Homeoffice“: „Wir haben Einigkeit darüber erzielt, dass die Covid-19-Pandemie unsere Gesellschaft weiterhin vor große Herausforderungen stellt.“ Sensationell. Unterschrieben wurde das Papier von den Senatorinnen Ramona Pop und Elke Breitenbach – nach einem Gespräch mit Unternehmen und Gewerkschaften. Und weiter heißt es darin: „Wir empfehlen unseren Verwaltungen und erwarten von den Sozialpartnern weitere Anstrengungen zur Ausweitung von Homeoffice und zur Arbeitsplatzsicherheit. (…) Die Sozialpartner sind aufgerufen, gemeinsam Lösungen zu finden. Von politischer Seite setzen wir uns für Regelungen auf Bundesebene ein, um den Arbeitsschutz auch im Homeoffice zu stärken.“ (Zur Umsetzungswahrscheinlichkeit der Homeoffice-Empfehlung in der Verwaltung: siehe oben.)