Aufregung bei Berliner Radio Eins wegen Abgang von Anja Caspary
Dem Abschied der bekannten Musikjournalistin gingen wohl erhebliche Tonstörungen voraus – das zeigt ein 106 Seiten umfassendes Dossier voller Vorwürfe. Von Lorenz Maroldt
Dem Abgang von Radio-Eins-Musikchefin Anja Caspary gingen nach Checkpoint-Informationen erhebliche Tonstörungen voraus – im Sender kursiert ein 106 Seiten umfassendes Dossier voller Vorwürfe gegen die Journalistin. Dabei geht es vor allem um Machtmissbrauch und unangemessenes Verhalten gegenüber Untergebenen und freien Mitarbeitern. Am 16. Februar hatte RBB-Intendantin Katrin Vernau bei einer von ihr einberufenen Vollversammlung mitgeteilt, dass sie über die Personalie informiert sei, die gemeldeten Fälle auswerten und Konsequenzen ziehen werde. Zuvor war bereits Anfang Dezember eine Radio-Eins-Vollversammlung in dieser Sache eskaliert.
In einem Facebook-Post hatte Caspary am vergangenen Donnerstag die Trennung öffentlich gemacht. Darin fehlte allerdings ein Satz aus der ansonsten gleichlautenden Mail an die Belegschaft: „Natürlich habe ich in all den Jahren auch Fehler gemacht, aber nicht mit Absicht, und niemals wollte ich jemanden verletzten.“ Der RBB begründet den Abgang offiziell mit „Veränderungen der Organisationsstruktur“. Caspary, die einen exzellenten Ruf als Musikjournalistin hat, war seit mehr als 25 Jahren bei Radio Eins; 2015 wurde sie zur Musikchefin befördert, als Nachfolgerin des verstorbenen Peter Radszuhn. Von ihren Aufgaben war sie in der vergangenen Woche mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Nach Angaben des RBB soll ihr an eine andere Stelle außerhalb von Radio Eins angeboten werden.