FDP entschuldigt sich für umstrittenen Hindenburg-Tweet

Bei der FDP sorgte die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde Hindenburgs für Empörung – nun muss sich für ein schiefes Geschichtsverständnis rechtfertigen. Von Anke Myrrhe

FDP entschuldigt sich für umstrittenen Hindenburg-Tweet
Foto: dpa

„Wir haben gerade den Mietendeckel beschlossen und ich freue mich darüber sehr“, sagte SPD-Rechtsexperte Sven Kohlmeier in einem kleinen Video, das er auf Twitter veröffentlicht hat. Wir? Eher nicht. Kohlmeier hat nämlich an der Abstimmung gar nicht teilgenommen. Doch nicht etwa, weil er gerade mit Filmen beschäftigt war, fragten die Grünen stichelnd nach? Nein, private Gründe, sagte Kohlmeier auf Checkpoint-Anfrage. „Ich hätte zugestimmt.“

Nicht zugestimmt hätte der brennende Mietendeckel-Gegner Stefan Förster von der FDP, der die Debatte ebenso verpasst hat (werten wir mal wohlwollend als Patt). Förster allerdings war vermutlich unterwegs, um sich für die große Brexit-Party am Abend mit Devotionalien der Queen einzudecken – er ist nämlich offenbar großer Fan der Monarchie, und zwar nicht nur der britischen: „Wenn es jetzt schon verwerflich ist, Monarchist zu sein, dann setzen Sie sich doch aktiv für die Abschaffung der Königshäuser in zahlreichen europäischen Ländern ein“, schrieb Förster auf Twitter.

Und das kam so: Im Abgeordnetenhaus hatte er in einer Rede (beklatscht von der AfD) die Ehrenbürgerschaft Hindenburgs verteidigt. Der Linken-Abgeordnete Michael Efler wies ihn anschließend auf Twitter darauf hin, Hindenburg sei „überzeugter Militarist und Monarchist“ gewesen, habe „Hitler zum Reichskanzler ernannt und die Auflösung des Reichstages unterschrieben etc. Eure Geschichtsdefizite sind echt zum Verzweifeln.“

Die Fraktion legte noch einmal nach und schrieb: „Hindenburg war eine Stütze der Weimarer Republik, stabilisierte auch das parlamentarische und demokratisch gewählte System. Auch wenn jemand wie er heute nicht mehr neu auf die Ehrenbürgerliste käme, rechtfertigt das nicht seine Streichung.“ Nach einem schönen Shitstorm hat die Fraktion den Tweet gelöscht und verbreitet: „Die deutsche Geschichte ist ein sensibles Thema. Wir haben uns nicht dementsprechend ausgedrückt. Hindenburgs historische Rolle ist differenziert zu betrachten. Diesem Anspruch ist unser Tweet nicht gerecht geworden. „Wir bitten das zu entschuldigen und haben den Tweet gelöscht.“ Gelöscht wurde im Übrigen auch die Ehrenbürgerschaft. Also Hindenburgs. Und wir merken uns (mal wieder): Erst denken, dann twittern.