Berlin beschließt Teststrategie in der Coronakrise
Damit das Leben morgen weitergeht, auch für Ältere und Vorerkrankte, will Berlin nun endlich eine Teststrategie für das Coronavirus austesten. In der Senatssitzung wurde am Dienstag beschlossen, alle in den Laboren zur Verfügung stehenden Reagenzgläser zu füllen, um aus der Stadt „mehr positive Menschen rauszufischen“, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) versprach. Das Konzept war wegen Kalaycis Zögerlichkeit auf Drängen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (ebenfalls SPD) schließlich von der Charité und von Vivantes erarbeitet worden. Die Gesundheitsverwaltung wollte das Ergebnis dennoch für sich beanspruchen (dafür rief sie gestern extra beim Tagesspiegel an), was aber Müller in der anschließenden Senatspressekonferenz abschließend anders darstellte. Zum Missvergnügen Kalaycis, die sich nicht erst in dieser Senatssitzung einen politischen Schnupfen wegholte.
Kurieren will sich Berlin vor allem mit Tests für asymptomatische Gruppen – also Menschen, die keine Symptome zeigen, deren Berufe aber symptomatisch für Menschenkontakte sind. In der Senatsvorlage, die auch dem Checkpoint vorliegt, heißt es dazu in unleichter Sprache auf expertisch: „Für die asymptomatische Gruppe ist ein randomisiertes wiederholtes Stichproben-Sampling vorgesehen. Diese Methode wird insbesondere für herausgehobene Tätigkeiten mit Multiplikatoren- und Expositionsrisiko empfohlen.“ In der Tat ist es empfehlenswert, wenn etwa in den jetzt schon im Notbetrieb wieder überlaufenden Kitas und Schulen mehr getestet wird als bisher, also: mehr als eigentlich gar nicht. Nach Recherchen meiner Kollegin Ronja Ringelstein sollen in repräsentativ ausgewählten Bildungseinrichtungen künftig alle drei Monate etwa 40 Kinder und Jugendliche sowie zehn Lehrerinnen und Erzieher freiwillig getestet werden. Mobile Ärzteteams sollen dafür an die Schulen kommen. Eltern müssen einwilligen, dass ihre Kinder Testimonials werden, könnten aber dafür gleich mitgetestet werden. Ein Stresstest für alle – auch für die Gesundheitsverwaltung.