BVG-Angebotsoffensive steckt fest: Warum Berlin trotz Neun-Euro-Ticket derzeit keine dichteren Takte bestellen kann
Das Neun-Euro-Ticket des Bundes wäre der perfekte Zeitpunkt für Neukundenwerbung. Doch Haushaltsgesetz und Taktbestellung stecken fest. An was hakt's? Von Christian Latz.
Ein Angebot, das man fast nicht ablehnen kann, macht der Bund mit dem Neun-Euro-Ticket ab Juni für den Nahverkehr. Für die BVG könnte das der perfekte Zeitpunkt sein, bei Neukunden für sich zu werben. Doch die erwartete „Angebotsoffensive“ steckt schon vor dem Start fest: Wegen der vorläufigen Haushaltswirtschaft (CP von gestern) kann der Senat derzeit keine dichteren Takte bestellen – das wäre erst im 3. Quartal möglich, schreibt die Verkehrsverwaltung in der Antwort auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Christian Zander (liegt dem Checkpoint exklusiv vor). Doch auch wenn das neue Haushaltsgesetz dann beschlossen und verkündet ist, vergehen „in der Regel 20-50 Wochen“, ehe genug zusätzliche Beschäftigte und Fahrzeuge vorhanden sind, um am Stadtrand einen dichteren Takt fahren zu können. Den Sommer der ÖPNV-Liebe dürften viele dann schon wieder vergessen haben.
Angesichts knapper Kassen ist ohnehin schwer vorstellbar, dass die um ihre Herzensprojekte feilschenden Verkehrspolitiker von Rot-Grün-Rot plötzlich dafür die nötigen Millionen locker machen. Und so könnte das Neun-Euro-Ticket, das ja eigentlich mehr Menschen zum Umsteigen in Busse und Bahnen bewegen soll, am Ende die Neugierigen gleich wieder vertreiben: Die Verkehrsverwaltung rechnet mit einer Mehrnachfrage von bis zu zehn Prozent. Es wird also eng werden – einziger Vorteil: Umfallen kann man da wohl nicht mehr.