Geboren und gestorben am 17. Juni 1953: Dem Volksaufstand für Demokratie fielen mindestens 55 Berlinerinnen zum Opfer

Bundesregierung und Senat gedachten gestern den verstorbenen Demonstranten. Doch wie Tagesspiegel-Gründer Erik Reger in seinem damaligen Leitartikel erklärte, wurde an diesem Tag auch etwas geboren. Von Robert Ide

Geboren und gestorben am 17. Juni 1953: Dem Volksaufstand für Demokratie fielen mindestens 55 Berlinerinnen zum Opfer
Foto: picture alliance / ZB Archiv

Der Wind wehte auch gestern über die Gräber von mindestens 55 getöteten Berlinerinnen und Berlinern, die am 17. Juni 1953 auf den Straßen der Stadt starben. Sowjetische Panzer walzten den Volksaufstand für Demokratie und gegen die DDR-Diktatur nieder, die von sich behauptete, sie sei der bessere deutsche Staat. Zu den Todesopfern gehört Werner Sendsitzky, der an diesem Tag eigentlich seinen 16. Geburtstag feiern will und mit anderen West-Berliner Jungs auf dem Dach eines Schrottplatzes in der Liesenstraße die Straßenkämpfe auf der Ost-Seite beobachtet. Volkspolizisten, die Menschen zurückdrängen, schießen in die Luft und treffen den unbeteiligten Jungen tödlich ins Herz. Auf dem Urnenfriedhof an der Seestraße in Wedding, wo Werner Sendsitzky und andere Opfer begraben liegen und ein Denkmal zu unverklärter Erinnerung mahnt, gedachten gestern Bundesregierung und Senat der mutigen Aufständischen.

„Zum ersten Mal sind es die Ostberliner, die den Namen Berlins als einer der sichersten Stützen des Freiheitskampfes in alle Welt tragen“, schrieb am 18. Juni 1953 Tagesspiegel-Gründer Erik Reger in seinem Leitartikel (nachzulesen hier). Und ergänzte: „Als in der Blockadezeit Westberlin ein Beispiel gab, haben wir immer auch der Bevölkerung Ostberlins gedacht, von der wir wußten, daß sie auf unserer Seile stand und begeistert mit mehr als mit den Gedanken bei uns wäre.“ Wo im vereinten Berlin Spuren des Volksaufstandes verblasst sind oder wo man sie heute noch finden kann, lesen Sie in einer Spurensuche hier.