Ist der Beuth-Hochschule ein neuer Name zu teuer?
Am Donnerstag soll über die Umbenennung entschieden werden. Vorab legt das Präsidium eine happige Kostenschätzung vor. Exklusiv für Checkpoint-Abonnenten. Von Lorenz Maroldt
Kurz vor dem 75 Jahrestag der Befreiung von Auschwitz entscheidet heute die Akademische Versammlung der Beuth-Hochschule darüber, ob sie ihren antisemitischen Namensgeber loswerden will – und bekommt als Vorlage vom Ersten Vizepräsidenten Kai Kummert eine bizarre Kostenschätzung präsentiert, die finanzielle Gründe für eine Beibehaltung des Namens nahe legt. Dem Checkpoint liegt das interne Papier inklusive detailliertem Anhang vor. Demnach soll eine einfache Namensänderung exakt 1.866.864,52 Euro kosten, inklusive „Logo und Farbe“ sogar 2,508.783,08 Euro. Alleine für „interne zusätzliche Aufwände in der Verwaltung“ der Hochschule sind rund eine halbe Million Euro veranschlagt. Auch die Pressestelle kommt auf Kosten von rund einer halben Millionen Euro, davon 466.808,13 Euro für externe „Grafiker-Kompetenzen“.
Im bis auf den Cent genau geschätzten Aufwand der einzelnen Bereiche sind zudem vermeintliche Risiken festgehalten. So ist die Rede von angeblich möglichen „Absolventenklagen“ während des Umstellungsprozesses. Gefährdet sei bei einem Namenswechsel auch das „kontinuierliche Image“ der Hochschule, zudem drohe der „Verlust der Rankings in Suchmaschinen“ sowie „von Netzwerken und Bekanntheitsgrad“. Das Hochschulrechenzentrum befürchtet, wegen einer möglichen „temporären Unterbrechung des Zugriffs auf Informationen und Systeme“ einen Verlust von „Vertrauensstellungen bei Partnern“.
Mit einem Schreckensszenario schließt der Erste Vizepräsident seine Ausführungen: Die Kosten für die Namensänderungen würden „nicht erstattet oder extern z.B. von der Senatskanzlei bereitgestellt“, sie müssten „in vollem Umfang“ von der Hochschule aus dem bereits verplanten Haushalt erbracht werden. Das könne „ausschließlich durch folgende beispielhaft dargestellten Maßnahmen gedeckt werden: Einstellungsstopp/ - reduzierung für Personalnachbestzungen und -neueinstellungen und/oder Reduzierung/Streichung der Lehr- und Lernmittel für einen Zeitraum und/oder Einstellung/Reduzierung der (Brandschutz-)Sanierung des Campus.“
So schwer ist es also, in Deutschland im Jahr 2020 einen Antisemiten loszuwerden – leider zu teuer. Christian Peter Wilhelm Beuth, „Vater der preußischen Gewerbeförderung“, war ein Vorbote der Vernichtung, das Verbluten eines Juden bei der Beschneidung war ihm „wünschenswert“. Eine Hochschule, die das von Buchhaltern aufwiegen lässt, hat ihre Entscheidung getroffen – ganz egal, wie sie ausfällt.
Die Senatskanzlei, von Kummert zitiert, kannte die Kostenschätzung bis gestern noch nicht. Ob es in der Wissenschaftsverwaltung eine Anfrage der Hochschule zur Übernahme eines Teils der Kosten gab, war nicht zu klären. Staatssekretär Steffen Krach sagte dem Checkpoint am Abend dazu: „Der Prozess, den die Hochschule durchgeführt hat, war bislang wirklich vorbildlich. Dass Äußerungen von Beuth antisemitisch waren, bestätigen die Experten. Die Lage ist für mich persönlich eindeutig, ich würde für eine Umbenennung stimmen. Das muss aber die Hochschule entscheiden. Und eine so grundsätzliche Entscheidung muss doch unabhängig von möglichen finanziellen Belastungen, die mit einer Umbenennung verbunden sind, getroffen werden.“ Auch der neue Präsident der Hochschule, Werner Ullmann, hatte sich eindeutig geäußert – in seinem ersten Interview nach seiner Ernennung vor einem halben Jahr sagt er dem Tagesspiegel: „Ich selber sehe einem neuen Namen positiv entgegen, das will ich nicht verhehlen.“