Alexanderplatz ein Drittel des Jahres mit Buden blockiert

Von „Osterfest“ bis „Weihnachtsmarkt“ ist der Alex mit Buden belegt. Von Dassel verspricht nun „ein grundsätzlich neues Verfahren“ zur Veranstaltungsvergabe. Von Robert Ide

Alexanderplatz ein Drittel des Jahres mit Buden blockiert
Foto: Thilo Rückeis

Dass der Berliner Alexanderplatz mehr Stein als Sein ist, sieht man in diesen Tagen schwarz auf grau. Derzeit wird die Tristesse rund um den Fernsehturm auf die Spitze getrieben, denn sämtliche hier sonst hingezimmerten Frühlings-Sommer-Ernte-Weihnachts-Bretterbuden sind wie vom Betonboden verschluckt (Beweisfoto hier). Zum Glück hat diese „budenlose Frechheit“ (via Twitternutzer „Slowtiger“) bald ein Ende – auf Nachfrage lässt das Bezirksamt Mitte wissen, was dieses Jahr hier alles hingebrettert wird:

Ostermarkt (03. – 29. April),

Firefighter-Run (8. und 9. Mai),

Feier zum DFB-Pokalfinale (23. Mai),

Afrika-Festival (16. Juni – 06. Juli),

„Berlin lacht“ (21. Juli  – 11. August),

„Vegan-Fest“ (28. – 30. August),

„Oktoberfest“ (18. September – 14. Oktober) und

Weihnachtsmarkt (6. November – 31. Dezember).

120 Tage sind in diesem Jahr für Kommerzterz vorgesehen, das immerhin hält nicht jeder Platz aus. Jeder Passant allerdings auch nicht.

Hey, wann kommt der Alex? Der zentrale Budenzirkus ohne Zelt und Zauber hat nach Auskunft des Bezirks in den vergangenen Jahren 200.000 bis 300.000 Euro an Sondernutzungsgebühren eingebracht. Auf die Frage, ob diese Einnahmen den schrammeligen Eindruck an einem der wichtigsten Orte Berlins aufwiegen, antwortet Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel offen mit einem „klaren Nein“. Und verspricht ab dem kommenden Jahr „ein grundsätzlich neues Verfahren“, in dem Bezirk, Senat und Anrainer in einer Kommission alle eingereichten Veranstaltungskonzepte bewerten. „So hoffen wir, mehr Vielfalt und Qualität auf den Platz zu bekommen.“ Zudem hofft von Dassel auch noch, mittels einer so genannten Gestaltungssatzung den „Wildwuchs an Stühlen, Schildern und Schirmen einzudämmen und insgesamt die Aufenthaltsqualität auf dem Alexanderplatz zu verbessern“. Hoffentlich werden dabei nicht die Schilder entfernt, die anzeigen, wie man den Platz wieder verlassen kann.

Ach, letzter Nachtrag zum Alex noch: Neue Bäume will das Bezirksamt nicht auf dem Platz pflanzen, der in Mitte nach seiner Mitte sucht (interaktives Tagesspiegel-Dossier zum Alex hier). Dies sei durch den Denkmalschutz begrenzt, teilt Sprecher Christian Zielke mit. Außerdem: „Der Platz soll möglichst offen gehalten werden.“ Dürfen neben den Bretterbuden also keine Baumstämme in den Himmel wachsen? Wir reichen diese offene Frage gleich mal an Sie weiter, liebe Leserinnen und Leser – stimmen Sie ab in unserer neuen Checkpoint-Umfrage. Denn immerhin eines ist uns der Alex nicht: so egal, wie er manchmal wirkt.