Das Momentum liegt bei der SPD
Man merkt der SPD zunehmend an, dass das Momentum gerade bei ihr liegt (sorry für die Sport-Floskel, die Checkpoint-Nächte werden in den nächsten zwei Wochen mit US-Open-Sound geschrieben). Eine gewisse Überheblichkeit macht sich breit, angesichts einer Kandidatin, der die Umfrage-Herzen zufliegen, egal, von wem sie geklaut wurden.
Dabei läuft es gerade bei den noch amtierenden Senatorinnen alles andere als gut. Nach dem Hin und Her am Wochenende hatten die zwölf Berliner Amtsärzte gestern keine Lust mehr, mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci zu viedokonferieren. Stattdessen schickten sie ihr einen Brief mit dem Hinweis, sie strebten keineswegs die ungesteuerte Durchseuchung aller Kinder an (Danke für die Klarstellung!). „Die Maßnahmen müssen aber an die Phase der Pandemie angepasst werden, um die ansonsten zwangsläufige Schließung von Einrichtungen und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Kindergesundheit zu vermeiden.“ Man habe in mehr als 95 Prozent der Fälle nicht-infizierte Kinder in Quarantäne geschickt, hatten die Amtsärzte in ihrer ersten Stellungnahme angemerkt. Eine Infektionsschutzspezialistin der Gesundheitsverwaltung hatte die Pläne unterstützt.
Die „fachlich begründete Stellungnahme“ der Amtsärzte habe dem Hause Kalayci „seit letztem Mittwoch“ vorgelegen, schreiben die wütenden Amtsärtze nun, vom „Positionspapier Ihres Hauses“ habe man „aus der Presse erfahren“ und „Ihre Kritik zur Kenntnis genommen“. Die Gesundheitsämter bleiben bei ihrem Vorschlag: positiv getestete Kinder und deren Haushaltskontakte (Geschwister) in Quarantäne schicken, die Gruppen aber „grundsätzlich“ nicht. Allerdings könne im Einzelfall das jeweils zuständige Gesundheitsamt über Ausnahmen entscheiden. „Ihr Vorschlag einer Verkürzung der Quarantäne für Schüler als enge Kontaktpersonen auf 5 Tage, offensichtlich ohne Testungen, ist für uns fachlich nicht nachvollziehbar und entspricht auch nicht den Empfehlungen des RKI.“
Die sonst wenig wortkarge Bildungssenatorin (ebenfalls SPD) schweigt weiterhin und wird heute wohl die verkürzte Quarantäne mitbeschließen. Und die Eltern dieser Stadt haben einmal mehr das Gefühl, dass sie im Rausch des politischen Gezerres mit ihren Entscheidungen dasitzen wie ihre Kinder in Quarantäne: völlig allein.