Fliegende Schrauben, fehlende Klimaanlagen und herausfallende Steckdosen: Die Charité zerbröselt – und was tut Berlin?

Die Charité zählt zu den renommiertesten Kliniken der Welt, doch hinter den Kulissen bröckelt es: Der hohe Sanierungsbedarf setzt Patienten und Personal zu. Von Anke Myrrhe, Margarethe Gallersdörfer und Jessica Gummersbach.

Fliegende Schrauben, fehlende Klimaanlagen und herausfallende Steckdosen: Die Charité zerbröselt – und was tut Berlin?
Credit: IMAGO / NurPhoto / Michael Nguyen

Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano (SPD) hat schwere Wochen hinter sich. Wegen eines rätselhaften Leberleidens war er immer wieder Gast in der Hepatologie des Virchow-Klinikums der Charité. Von seiner medizinischen Behandlung und der liebevollen Zugewandtheit des Pflegepersonals sei er begeistert, berichtete Pantisano dem Tagesspiegel. Schockiert hat ihn allerdings der Zustand der Patientenzimmer: Türen, die beim Öffnen Schrauben verstreuen, abstürzende Vorhänge, Steckdosen, die aus der Wand fallen. Und das Schlimmste: verschlossene Fenster und keine Klimaanlage. Kranke, die wie Pantisano unter permanentem Juckreiz leiden, brauchen es kühl, damit die Lage sich nicht noch verschlimmert. „Dass das in den Zimmern, in denen man sich nachts schlaflos umherwälzt, nicht möglich ist, ist einfach lebensgefährlich“, sagt Pantisano. Ihm wurde immerhin ein Ventilator ins Zimmer gestellt.

Die Leberklinik ist bei Weitem nicht der einzige Charité-Standort, an dem es baulich übel zugeht: Auch anderswo regnet es durch Fensterrahmen, liegen Kabelstränge frei, haben Badezimmerfliesen ihr Haltbarkeitsdatum weit überschritten. „Teile der Bausubstanz sind einige Jahrzehnte alt“, teilte ein Charité-Sprecher dem Checkpoint mit. „Wir setzen alles daran, notwendige Reparaturen durchzuführen und die Infrastruktur instand zu halten, dennoch ist eine grundlegende Sanierung unerlässlich.“ Auf mindestens eine Milliarde Euro schätzt die Gesundheitsverwaltung den Investitionsbedarf bis 2030. Die achtbeste Klinik der Welt zerbröselt – ebenso wie die Berliner Landeskasse mit jedem neuen Haushaltsplan.