Eigentümer will Gebäude leerziehen: Bauarbeiter stirbt bei Unfall in umkämpftem Mietshaus in Berlin-Prenzlauer Berg
Wie es zum Einsturz des Schornsteins im Hinterhauses kam, ist bislang unklar. Die früheren Hausbewohner hatten 2019 gegen die Sanierung und Verdrängung protestiert. Von Robert Ide.
Berlin ist täglich voller Dramen, eines spielte sich Montagmittag am Zionskirchplatz in Mitte ab. Im Eckhaus Zionskirchstraße 22/24 stürzte nach Checkpoint-Informationen im Dachgeschoss des Hinterhauses ein alter Schornstein ein. Dabei starb ein Mann, eine weitere Person musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden, ein dritter Erwachsener blieb unverletzt, berichtete Feuerwehr-Sprecher James Klein auf Anfrage. In dem Haus, das durch die alteingesessene Cafébar „Kapelle“ über den Kiez hinaus bekannt ist, finden gerade Bauarbeiten statt. Nach Berichten von Anwohnern werde das Haus seit Jahren systematisch entmietet, demnach befänden sich kaum noch Mietparteien im Haus. Das Café ist vorübergehend geschlossen, nach Auskunft des bisherigen Betreibers finde hier gerade ein Betreiberwechsel statt. Die Polizei wollte am Montagabend keine Auskunft zu dem Todesfall geben; eine Mieterin des Hauses wollte sich erst mit ihrem Anwalt besprechen.
Bereits im November 2019 hatten die damaligen Bewohnerinnen und Bewohner in einem Brief gegen den neuen Besitzer des Hauses opponiert. Demnach habe dieser das alte Eckhaus teuer erworben und danach gleichzeitig Anträge gestellt, es abreißen zu können oder sanieren zu dürfen. Einem damaligen Tagesspiegel-Bericht zufolge besteht das Hauptgeschäft des Investors aus Errichtung und Verkauf von Microflats: Wohneinheiten von 15 bis 30 Quadratmetern, die große Renditesteigerungen versprechen. Meist sind sie teilmöbliert, dann entfällt die Mietpreisbremse. Steckt hinter dem Todesdrama am Zionskirchplatz auch noch eines auf dem Berliner Immobilienmarkt?