Wenn das Gesundheitsamt erst neun Tage nach Symptombeginn anruft
Seine Kontaktpersonen hatte Heinrich Strößenreuther längst informiert, als der Anruf vom Gesundheitsamt kam. Und dieser Fall ist keine Ausnahme. Von Felix Hackenbruch
Apropos Warten: Mitte November hat sich Radaktivist Heinrich Strößenreuther mit dem Coronavirus infiziert – und musste dann feststellen, dass es in Berlin nicht nur mit dem Ausbau der Radwege manchmal dauern kann. Neun Tage nach den ersten Symptomen und eine Woche nach seinem positiven Befund meldete sich das Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf bei seinen angegebenen Kontaktpersonen. Die hatte Strößenreuter da längst selbst informiert, teilweise hätten sie schon negative Testergebnisse gehabt, ehe das Gesundheitsamt anrief. „Wir machen einen Lockdown nach dem anderen, den die Steuerzahler gegenfinanzieren“, sagt Strößenreuther verärgert. „Warum kauft man da nicht mal ein paar Callcenter auf?“ Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner (CDU) bestätigt auf Anfrage die langen Wartezeiten von bis zu neun Tagen. „Alle Gesundheitsämter stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt er. Man müsse priorisieren, zuerst die vulnerablen Gruppen schützen. Strößenreuther habe sich richtig verhalten, indem er seine Kontakte informierte. Im Rahmen der Allgemeinverfügung sei er dazu sogar verpflichtet gewesen, sagt Wagner. Er „verstehe natürlich, wenn das für die einzelne Person unbefriedigend ist.“