Bildungs-Gewerkschaften zerlegen sich
Eine Umfrage unter Eltern, was wohl die ausgedehnten Lehrerinnen- und Kitastreiks mit ihnen machen, würde wohl so ausfallen wie das Geschrei in plötzlich allein gelassenen Krabbelgruppen. Dass aber auf der gestrigen „Verdi“-Kundgebung vor dem Rathaus Charlottenburg offenbar „Happy Birthday“ für alle Kinder gesungen wurde, die diese Woche nicht ihren Geburtstag in der Kita feiern können (so berichten es Teilnehmende), können sich wohl nur Gewerkschaftsfunktionärinnen ausdenken, die ihr widerständiges Hobby zum Beruf gemacht haben, von der Bühne gegen Kitas hetzen, die nicht auf Streiklinie sind und sich öffentlich damit brüsten, dass ihr eigenes kleines Kind bei jedem Streik dabei sei. Es hat wie viele Eltern, die inzwischen Urlaub nehmen müssen für die Betreuung, ja auch gar keine andere Wahl.
Genauso wenig Wahlfreiheit blieb dem in seiner GEW nicht mehr beliebten Tom Erdmann, der in der bröckelnden Bildungsgewerkschaft vor allem links eingestellte Mitarbeiter unterbrachte, nun aber über die Speicherung eines illegal mitgeschnittenen internen Protokolls stolperte und am späten Montagabend seinen Rücktritt verkündete. „Die Konflikte waren zu groß, die Lösung dessen hat der Landesvorstand mir nicht zugetraut“, teilte er nach neun Jahren im Amt mit. Vielleicht sollten sich die Gewerkschaften erst einmal selbst nicht mehr benehmen wie im Kindergarten, bevor sie lauthals verkünden, die Lage für Berlins Bildung verbessern zu wollen.