Neuester Trend in Mitte: erst sterben, dann heiraten

Der Abgang von Schmidt-Werthern (der auch schon unter Kulturstaatsministerin Monika Grütters möglich gewesen wäre) verdeutlicht ein grundsätzliches Problem Berlins: In der Stellenkonkurrenz hat der Bund auf lange Sicht mehr zu bieten – wer dorthin wechselt, muss nicht mal umziehen. In der Berliner Verwaltung gelten andere Regeln (hier hätte Schmidt-Werthern allenfalls politischer Beamter auf Zeit werden können), und es gibt enge finanzielle Grenzen.

Die Folge: Personalmangel auf Landesebene - und noch mehr in den Bezirken. Darauf hat gerade auch das BA Mitte in der Drucksache KA 0414/V1 hingewiesen – die drastischen Serviceeinschränkungen im Standesamt erklärt Stadtrat Carsten Spallek u.a. so.:

Tatsächlich wird die Bewerberlage auch im Bezirk Mitte immer schwieriger, andere Bezirke haben bereits kaum noch Bewerbende. Hinzu kommt die Konkurrenz mit den Senatsverwaltungen und Bundesministerien, an die wir in der Vergangenheit bereits gut ausgebildetes und eingearbeitetes Personal verloren haben und deren Stellen deutlich höher eingruppiert sind.“

Tja, was bleibt da übrig für so ein ausgezehrtes Standesamt, das die Zahl der Eheschließungen bereits auf zehn pro Woche halbiert hat? Dazu nochmal Spallek: „Das Amt verfolgt zudem mit der Priorisierung der Aufgaben Sterbe und Geburt eine Absenkung der Überlastungen der Beschäftigten.“ Wir stellen also fest: In Mitte gibt’s einen klaren Trend zum postmortalen Matrimonium.