Selbst ist die Stadt: Behördenpingpong klappt in Berlin auch als Solo-Spiel
Zum Tango gehören zwei, doch für eine Runde Pingpong braucht eine Berliner Behörde nur sich selbst – wie ein Beispiel aus Charlottenburg-Wilmersdorf zeigt. Von Lorenz Maroldt
Dass unser beliebtes Behördenpingpong auch als Solo gespielt werden kann, beweist eindrucksvoll Cha-Wi-Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Als im Frühjahr die CDU-Abgeordnete Stefanie Bung den Senat schriftlich nach beschädigten Denkmälern fragte, holte Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert dafür Auskünfte der Bezirke ein. Aus Charlottenburg-Wilmersdorf kam die Antwort „Fehlanzeige“. Als im Sommer die CDU-Bezirksverordnete Konstanze Zucker direkt bei Schruoffeneger nachfragte, erklärte dieser nach zwei Monaten Bedenkzeit, Beschädigungen seien ihm nicht bekannt – und verwies im Übrigen auf die Senatsantwort an Stefanie Bung, die ja allerdings auf der Auskunft des Bezirks beruhte („Fehlanzeige“). Das war denn selbst Schruoffenegers eigener Fraktion zu doof: Sie forderte ihren Stadtrat jetzt auf, ein Beschädigungsregister zu erstellen. Es kommentiert unser Gastautor Franz Kafka: „Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehen der gleichen Sache schließen einander nicht vollständig aus.“ (Q: Drs. 19/11642, 0087/6, „Die Erklärer“, 9. Kapitel, S. 381)