Berlin mit Anschluss: S-Bahn fährt wieder nach Blankenfelde
Nach mehr als einem Jahr mit Ersatzverkehr ist Bürgermeister Michael Schwuchow (SPD) mehr als erleichtert: „Für unsere Gemeinde ist das ein Befreiungsschlag“. Von Robert Ide
Fast drei Jahrzehnte ist Michael Schwuchow zur Arbeit gependelt – und weiß noch genau, was Schienenersatzverkehr bedeutet. „Ich kann mich an jeden Tag erinnern, an dem es kalt war oder ich im Regen warten musste.“ Die Bürgerinnen und Bürger von Blankenfelde, deren Bürgermeister der 56-Jährige ist, haben das in den letzten 15 Monaten auch Tag für Tag erlebt: Ersatzverkehr mit Gelenkbussen auf engen Dorfstraßen und mit Bedarfshaltestellen ohne Dach und Windschutz.
Seit Montag nun fährt die S-Bahn wieder nach Berlin durch. „Für unsere Gemeinde ist das ein Befreiungsschlag“, erzählt Michael Schwuchow (SPD) am Checkpoint-Telefon. Mehr als ein Jahr lang wurden die S-Bahngleise versetzt, um Platz für die Fernbahn in Richtung Dresden zu schaffen. Als nächstes wird der Bahnhof Blankenfelde zur neuen Regionalstation umgebaut, in Richtung Süden geht deshalb vorerst nichts. Der Speckgürtel ist weiterhin abspeckt unterwegs.
Die Wachstumsschmerzen am Metropolenrand sind nicht nur im Verkehr zu spüren. Trotz des nahen Flughafens BER ziehen immer mehr Menschen nach Blankenfelde-Mahlow, sie brauchen mehr Wohnungen, Kita- und Schulplätze sowie eine größere Poliklinik. Und was können Berlinerinnen und Berliner entdecken, wenn sie mit der S-Bahn hierher rausfahren? „Eine beschauliche, gartenstädtisch angelegte Gemeinde mit einem schönen Dorfanger“, antwortet Schwuchow. Früher habe er sich hier wie im Urlaub gefühlt, nun aber gebe es den Fluglärm. „Da kommt bei manchen höchstens Fernweh auf.“ Oder neues Nahweh nach Berlin.