Freiheit wird neuerdings mit „Ich“ geschrieben

Weil schon wieder Wahlkampf ist, konnte sich der Senat nicht mal auf einfachste Mittel zum Schutz vor Corona einigen. Unser Autor vermisst Umsicht in der Krise. Von Robert Ide

Freiheit wird neuerdings mit „Ich“ geschrieben
Die Maskenpflicht für Innenräume ist noch immer keine beschlossene Sache in Berlin. Foto: Kira Hofmann/dpa

Sie schützt effektiv und ohne viel Aufwand. Sie senkt das Risiko für alle Gefährdeten und auch den Krankenstand in Betrieben und Behörden. Sie entlastet die sowieso überlasteten Kliniken und Gesundheitsdienste. Eigentlich wäre es ein Leichtes, angesichts der längst grassierenden neuen Corona-Welle die Maskenplicht in Innenräumen wieder einzuführen. Und eigentlich wäre es für Berlins Gesamtgesundheit geboten, zumindest nach der Einschätzung von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne). Aber weil schon wieder Wahlkampf ist und weil Freiheit neuerdings nur noch mit „ich“ geschrieben wird, hat sich der Senat am Dienstag noch nicht auf das einfachste Mittel der Wahl zur Eindämmung der Pandemie einigen können – von der SPD vorgebrachter Grund: Der Vorstoß sei vorher nicht abgestimmt gewesen.

Und so ist es wie beim Tempolimit auf deutschen Raser-Autobahnen: Einzelne Bremser in der Politik verhindern das offensichtlich Vernünftige, damit sie andere als Spaßbremsen darstellen können. Und so geht es weiter volle Fahrt voraus, bis es nicht mehr anders geht – und die Maskenpflicht in Innenräumen vom Senat wohl doch noch zum Monatsende beschlossen werden wird, weil die Klinken sonst gänzlich kollabieren. Natürlich kann alles auch anders kommen; in die Zukunft kann die Politik nicht sehen. Aber muss sie deshalb so wenig vorausschauend sein?