Eine Flucht ist wahrlich keine „Abenteuerreise“
Flucht vor dem Krieg – einfach nur ein spannendes Event? Der Bildungssenatorin ist ein Bericht zur Begegnung mit Waisenkindern völlig missglückt. Ein Kommentar von Nina Breher
Keine Trauer um etwas, das es nicht mehr gibt. Keine Angst, etwas zu verlieren, weil es schon weg ist. Flucht vor Krieg – bei richtiger Betrachtung eine Abenteuerreise. Was wie schlechter Rat aus einem esoterisch angehauchten Selbsthilfe-Ratgeber klingt, hat Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) in einem verunglückten Bericht über ihre Begegnung mit einer Gruppe jüdischer Waisenkinder gesagt. Im Abgeordnetenhaus erzählte sie begeistert, „wie gut es den Kindern geht“. Kurz nach der schon etwas seltsam platzierten Feststellung „Viele sprechen sogar Deutsch!“ setzte sie zum Sinkflug an: „Das klingt jetzt seltsam“, sagte Busse (zumindest das stimmte), „aber diese Kinder trauern nicht mehr um ihre Eltern und haben keine Angst, weil sie haben ja keine mehr.“ Es klang, als könne, wer seine Eltern schon verloren hat, sie ja nicht mehr vermissen – das wiederum ließ Logik vermissen und klang ungewollt zynisch. Aber Busse setzte noch einen drauf, sagte, die Kinder hätten über die Flucht gesagt: „Ja, das ist eigentlich wie eine Abenteuerreise“. Das habe sie gefreut, beendete die Senatorin ihren glaubhaft beherzt vorgetragenen, aber völlig missglückten Beitrag (Video hier). Es kommentieren: die zerknautschten Gesichter von Finanzsenator Wesener (Grüne) (Foto) und Justizsenatorin Kreck (Linke) (Foto).