Lars Windhorst wechselt sich bei Hertha aus
Nach einer Schlammschlacht stehen jetzt 374 Millionen Euro auf dem Spiel: Der größte Finanzdeal der Bundesliga-Geschichte soll abgewickelt werden. Ein Kommentar. Von Robert Ide
Wild geht’s weiter in Westend. Oder wie alle Hertha-Fans wissen: Härtha geht’s immer. Nun fühlt sich Investor Lars Windhorst, offensichtlich erwischt bei einer geheim in Auftrag gegebenen öffentlichen Schlammschlacht gegen den alten Vereinspräsidenten Werner Gegenbauer, vom neuen Präsidenten Kay Bernstein an den Spielfeldrand gedrängt – an den ein Investor in der Fußball-Bundesliga sowieso hingehört. Windhorst bot am Mittwochnachmittag überraschend seine einst überteuert erworbenen Anteile von 64,7 Prozent an der Kapitalgesellschaft öffentlich via Facebook feil. Bei dem Netzwerk hatte schon Jürgen Klinsmann seine Flucht als Hertha-Trainer verkündet – mit dem inzwischen legendären Abschiedsgruß: „HaHoHe – Euer Jürgen!“
Jetzt also wechselt sich auch der Investor nach drei desolaten Jahren selbst aus. Der erst kürzlich vom Fan zum Präsidenten aufgestiegene Bernstein ließ am Abend via Vereinsmitteilung wissen, Windhorsts Vorwürfe seien „unzutreffend“. Der wie Hertha BSC stets unstete Unternehmer steht vor seinem Rauswurf als Vereinsmitglied und ist beim Verkauf seiner Anteile von Herthas Zustimmung abhängig. Was er deshalb wohl vergaß: HaHoHe – Euer Lars!
In der Nachspielzeit dieses spottreifen Spektakels fragt sich nur noch: Wo kriegt der Verein jetzt 374 Millionen Euro her? Oder einen Investor, der zumindest 64,7 Prozent davon zahlt? Oder zumindest 64,7 Prozent vom tatsächlichen Klubwert, der nach Tagesspiegel-Informationen bei 180 Millionen Euro liegen soll? Ach ja, und wie kommt man mal wieder an drei Punkte?