Gerd Danigel hat die Sehnsüchte von Ost-Berlin fotografiert
Da wir gerade durch Kiezhausen streifen: Ich war zuletzt mit Gerd Danigel unterwegs, der früher als Gasmonteur durch Ost-Berlin zog und nebenbei Zwischenräume fotografiert hat – und dazwischen Träume in Schwarz-Weiß (zum Beispiel hier am früheren Trabi-Parkplatz Bebelplatz). Heute verkauft der Fotokünstler sein altes Hobby auf den Flohmärkten am Mauerpark und auf dem Boxhagener Platz – ikonische Erinnerungen für 15 Euro pro Abzug. Der gemächliche Pankower, der beim Mauerfall an der Bornholmer Straße dabei war, sich aber in der Nacht der Nächte doch nicht auf die andere Seite der eigenen Stadt traute („Drüben finde ich doch gar keine Arbeit“), ist über die Zeitenwenden zum Lebenskünstler geworden.
Nach dem Umbruch immerhin ist Gerd Danigel noch schnell auf die Dächer des Prenzlauer Berg geklettert, um sich ein Bild vom neuen Leben zu machen. „Denn ich dachte mir damals schon: Wenn jetzt der Westen kommt, werden alle Türen abgeschlossen.“ Auch heute muss Berlin seine Zwischenräume suchen. Welche Träume Gerd Danigel noch hat, habe ich hier für Tagesspiegel Plus aufgeschrieben. Jede Zeit braucht sie, ihre ruhigen Beobachter.