Giffey, die Große
Doch zunächst ein paar Worte zur Lage der SPD:
Am Tag danach können die meisten immer noch ihr Glück kaum fassen, dass sich Giffey die Große tatsächlich mit Berlin anlegen will. Während einige noch den Schönheitsfehler im Dreier-Deal suchen („Kann doch nicht sein, dass die SPD das so glatt hinkriegt!“), rechnen die anderen mit dem Giffey-Bonus schon mit zehn Prozent mehr – das wäre zufälligerweise genau ein Prozent mehr als die Regierenden Umfragemeister der Grünen derzeit haben. Doch mit Umfragen gewinnt man bekanntlich keine Wahlen (gilt für alle).
Die meisten gehen davon aus, dass Müller mindestens noch den BER eröffnen darf, was auch den Vorteil hätte, dass Giffey nicht schon wieder den Abflug machen müsste, falls in Schönefeld doch noch ein Dübel schiefhängt (womit HIER ausdrücklich NIEMAND rechnet!).
Der stufenweise Machtwechsel wurde jedenfalls in einer klassischen Hinterzimmerrunde eingefädelt, kurzfristig und recht willkürlich eingeladen (und wieder ausgeladen), „mehr old-school geht gar nicht“, schimpften am Tag danach einige. Moderne Interpretation: Chefin wird am Ende die einzige Frau in der Runde.
Eine andere Frau wurde dafür allerdings gar nicht erst eingeladen: Eva Högl, SPD-Listenplatz 1 bei der letzten Bundestagswahl, der nun an Müller gedealt wurde, um ihn loszuwerden. Högl dürfte darüber ebenso wenig begeistert sein wie die anderen, die auch gern auf die diesmal vermutlich noch kürzere Liste für den Bundestag wollen: Cansel Kiziltepe, Klaus Mindrup, Kevin Kühnert und wohl auch Müllers Staatssekretärin Sawsan Chebli, die dem Vernehmen nach gleichzeitig auf der Suche nach einem Wahlkreis ist. Oder wie man in der SPD nun sagt: Doppelt hält besser.
Müller, gestern demonstrativ gut gelaunt, will jedenfalls sicherstellen, dass er Platz 1 der Liste bekommt, bevor Giffey ihn ablöst. Vermutlich hat er kürzlich mit Eberhard Diepgen telefoniert: Dem hatte die CDU nach seiner Abwahl 2001 auch Listenplatz 1 versprochen – und ihn dann fallengelassen.