Zivilcourage, Spenden, Café-Besuche: Wie man das jüdische Berlin unterstützen kann

Die Synagogen-Gemeinden in der Hauptstadt geben Tipps, mit welchen Gesten man Juden helfen kann. Dazwischengehen bei antisemitischen Angriffen, Mitgefühl oder Besuche im „Beth Café“. Von Margarethe Gallersdörfer.

Zivilcourage, Spenden, Café-Besuche: Wie man das jüdische Berlin unterstützen kann
Noch immer sind hunderte Menschen in Geiselhaft der Hamas. Die jüdische Gemeinde wünscht sich mehr Unterstützung für die Kampagne, die auf das Schicksal der Geiseln aufmerksam macht. / Foto: dpa/Paul Zinken

Das jüdische Berlin braucht Zuwendung und Unterstützung in diesen Tagen. Team Checkpoint hat bei den Synagogen der Stadt nachgefragt, welche persönlichen Gesten den Menschen, die dort beten und arbeiten, zurzeit am meisten helfen würden. Und hat (neben sehr vielen Fehlermeldungen – liebe Gemeinden, die Kontaktmöglichkeiten könnten ein Update vertragen!) Antworten bekommen.

+++ Die Gemeinde Adass Jisroel an der Tucholskystr. 40 in Mitte etwa wünscht sich Besucher:innen für ihr gemeinnütziges „Beth Café: „Die antisemitische Hetze und der Terror der letzten Tage führten leider zu einer massiven Absage von Reservierungen und auch dazu, dass Touristinnen und Passanten vermutlich irrtümlich meinten, das ,Beth Café‘ sei gegenwärtig geschlossen oder wegen der bekannten Zustände in der Stadt sonstwie unzugänglich“, schreibt uns Gemeindevorstand Moshe Abraham Offenberg. „Das ist falsch. Richtig ist, das, Beth Café‘ ist von Montag bis Donnerstag in der Zeit von zwölf bis 16 Uhr geöffnet und freut sich auf alle BesucherInnen.“ Die wiederum können sich freuen auf ein urgemütliches Ambiente, israelische und jüdische Spezialitäten, Tee, Kaffee und koschere Weine – alles in einem polizeigeschützten Haus.

+++ Nina Peretz von der Synagoge Fraenkelufer in Kreuzberg schrieb uns eine lange Mail – vielen Dank! Sie bittet um Zivilcourage im Alltag („Es kann nicht sein, dass Jüdinnen und Juden auf der Straße beschimpft und angegriffen werden, während die Menschen stillschweigend zusehen.“). Außerdem wünscht sie sich rege Teilnahme an der Kampagne kidnappedfromisrael.com, um die Geschichten der Geiseln bekannt zu machen. Wichtig sei auch der Besuch von Demos und Mahnwachen, sagt Peretz: „Viele Jüdinnen und Juden haben aufgrund der Bedrohungslage Angst, z.B. in die Synagoge zu gehen. Am Freitag nach dem Hamas-Angriff haben Freunde und Nachbarn eine Mahnwache vor unserer Synagoge organisiert, zu der mehrere Hundert Menschen gekommen sind! Das war unheimlich bewegend, stärkend, ermutigend – für uns, aber auch für die vielen Menschen, die die Fotos und Videos von der Mahnwache gesehen haben.“

„Keinem Juden, keiner Jüdin geht es zurzeit gut“, berichtet Peretz. „Wir sind alle extrem mitgenommen. Die meisten kennen jemanden, der ermordet oder entführt wurde.“ Viele hätten Angstzustände, könnten nicht klar denken oder arbeiten.

„Was im Alltag hilft, sind Verständnis für diese Situation, Menschlichkeit und Mitgefühl“, sagt Peretz. „Einen jüdischen/israelischen Freund oder Bekannten fragen, wie es ihm geht – und ob die Familie in Israel okay ist. Sagen, dass man die Ereignisse schrecklich findet und sehr betroffen ist. Dass es einem leid tut, was passiert. Fragen, ob man irgendwie helfen kann. Sagen: ,Ich fühle mit dir.‘ Das sind alles ,nur‘ Gesten, aber so hilfreich!“
Auf ihrer Webseite hat die Synagoge Fraenkelufer außerdem eine Liste mit Organisationen zusammengestellt, die teils humanitäre Hilfe in Israel, teils psychologische Hilfe hier in Deutschland leisten. Tipp vom Team Checkpoint: Auch Berlins Synagogen können mit Spenden unterstützt werden.