Aufbruch in Reinickendorf: Das Kabinett in der Villa Borsig

Launische Nachrichten kamen gestern Abend auch aus Reinickendorf, wo sich die (ebenfalls schwarz-rote) Koalition des Bundes zurückgezogen hat – vor allem, um nicht mit dem toxischen Ampel-Wort „Merseburg“ in Verbindung gebracht zu werden. Dann doch lieber Villa Borsig, einst Wohnsitz einer der wohlhabendsten Industriellenfamilien Deutschlands. Ein stilvolles Ambiente zur Anhebung der Vermögenssteuer?

Wir biegen derweil etwas in die Geschichte des Ortes ab: Paul und Conrad von Borsig, Enkel des Lokomotiv-Pioniers August Borsig, ließen das luxuriöse Anwesen Anfang des 20. Jahrhunderts bauen, kurz nachdem die Familie in den Adelsstand erhoben wurde. Nach ihrem Tod erwarb das Reichsfinanzministerium 1937 die Villa, nach Kriegsende war sie Sitz des Oberkommandierenden der französischen Truppen und des Hohen Kommissars, dann Gästehaus von Stadt und Bund und ab 1959 Sitz der Stiftung für Internationale Entwicklung. Mitte der 80er Jahre wurde kurzzeitig überlegt, ein kleines Haus auf dem Gelände als Kanzlerresidenz für Helmut Kohl zu nutzen. Wenn das keine Einheit in die Koalition bringt…

Apropos Kohl: Der Senat hat gestern die Umbenennung der Hofjägerallee in Helmut-Kohl-Allee beschlossen. Einen Kommentar von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) lesen Sie weiter unten im Zitat.