Politik blockiert günstige Wohnungen in Treptow
Eine Berliner Baugenossenschaft will 101 Wohnungen bauen, kriegt dafür aber keine Genehmigung vom Bezirk. Jetzt klagt sie wegen Untätigkeit. Von Robert Ide
Früher an der Mauer, heute auf der Lauer liegt man in Treptow. Hier soll auf Berliner Erden etwas Seltenes entstehen: bezahlbare Wohnungen, genossenschaftlich finanziert, direkt auf dem Mauerstreifen zwischen Alt-Treptow und Neukölln. Das Bauschild steht schon – doch laut unserem Bezirksrechercheur Thomas Loy könnte es sein, dass bald ein Transparent draufgeklebt wird: „Verhindert durch die SPD.“ Und das kommt so: Die Baugenossenschaft DPF will 101 Wohnungen bauen, auf eigenem Grundstück, kriegt dafür aber keine Genehmigung vom Bezirk. Der Bauantrag wurde schon im September 2019 gestellt, im Frühjahr wollten die Baugenossen loslegen. Doch SPD-Genosse Rainer Hölmer, Baustadtrat, gab nur rotes Licht, weil seine Bauamtsleiterin den Entwurf ablehnt. Die Gebäude seien zu massiv, Abstände zu gering, sagt Hölmer auf Checkpoint-Nachfrage. Außerdem sei der Entwurf nicht mit dem Bauamt abgestimmt gewesen. Das weist DPF-Vorstand Andreas Böhm zurück: „Es gibt einen Vermerk.“ Nebenan sind die „Bouchégärten“ entstanden, dicht bebaut mit sieben Etagen und einem Querriegel, sagt Böhm, „warum sind die genehmigt worden?“
Die Genossenschaft klagt jetzt wegen Untätigkeit vor dem Verwaltungsgericht. „Wir wollen günstigen Wohnraum schaffen, auf einem Grundstück, das inzwischen 20 Millionen Euro wert ist“, sagt Böhm. Die DPF habe beim Erwerb 2007 nur ein Bruchteil davon bezahlt. Würde sie es verkaufen, wären die Baugenossen reich, und Hölmer hätte ein reichhaltiges Problem, weil dann nur teurer Wohnraum entstehen würde, „das ist Verrat an seinen Wählern“, schimpft Böhm. 400 Interessenten gebe es schon für die Wohnungen, mehrere SPD-Politiker hätten sich eingeschaltet, inzwischen liegt der Streitfall bei der Wohnungsbauleitstelle. „Wir haben ein großes Interesse daran, hier eine genehmigungsfähige Lösung zu finden“, sagt Hölmer. Die Berliner SPD sicher auch. Dafür müsste man in Treptow allerdings aufhören zu mauern.