Sohn von Hatun Sürücü: 20 Jahre nach dem Femizid an seiner Mutter spricht Can Sürücü über sein Leben
Im Februar 2005 wurde Hatun Sürücü von ihrem Bruder erschossen, weil sie ein freies Leben führen wollte. Jetzt spricht ihr Sohn über seine Kindheit in Berlin und den Mord an ihr. Von Robert Ide.
Er ist ein verlorener Sohn Berlins. Weil seine Mutter vorsätzlich umgebracht worden ist von ihrer Familie. Weil sie ein freies Leben in Berlin führen wollte. Weil er danach Berlin verlassen musste. 20 Jahre später meldet er sich öffentlich zurück. „Ich bin Can Sürücü“, sagt der junge Mann in einem bei Tiktok und Youtube hochgeladenen Video. Und dann erzählt er seine Geschichte (zu sehen hier und nachzulesen in der „taz“ hier), zeigt die Gegenden seiner Kindheit in Tempelhof und erzählt von der Nacht des Mordes an seiner Mutter und seinem neuen Leben bei einer Adoptivfamilie in Reutlingen. Der Femizid an Hatun Aynur Sürücü, verübt durch drei Kopfschüsse ihres Bruders an einer Bushaltestelle und gedeckt von der Familie, um eine angebliche Ehre zu verteidigen.
Hatun Aynur Sürücü, in Berlin geboren und aufgewachsen, war von ihrer kurdischen Familie gezwungen worden, im Alter von 16 Jahren ihren in Istanbul lebenden Cousin zu heiraten, von dem sie auch schwanger wurde. Sie verließ ihn und kehrte zurück nach Berlin, wo sie ihren Sohn Can zur Welt brachte, ihn in ihrer eigenen Wohnung allein aufzog und eine Lehre als Elektroinstallateurin absolvierte. Bis zu den Schüssen am 7. Februar 2005.
Das Grab von Hatun Aynur Sürücü befindet sich auf dem Landschaftsfriedhof Gatow in Spandau. Sohn Can will nun in weiteren Videos und in Gesprächen mit anderen Menschen „gute Werte von einem Menschen vermitteln und Leuten Kraft und Licht geben, die in schwierigen Zeiten sind und auch durch die Hölle gehen“.