Architektenkammer fordert massive Entsiegelung von Straßen in Berlin
Wie wird die Hauptstadt menschenfreundlicher? Die Präsidentin der Architektenkammer, Theresa Keilhacker, plädiert für den Rückbau asphaltierter Wege „in großem Stil“. Von Robert Ide
Kommen wir zu einem Vorhaben, das uns alle langfristig das Leben erleichtern soll: der Umbau der autogerechten in eine menschenfreundliche Stadt. Die neue Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt fordert „eine kritische Revision der bestehenden Stadt“ und den „Rückbau der stadtzerstörenden Verkehrsräume“, etwa der Autobahnverlängerung A104 zum Breitenbachplatz, der A103 zum Steglitzer Kreisel oder der Leipziger Straße am Spittelmarkt in Mitte. Unterstützung erhält sie jetzt von der Architektenkammer.
„Die autogerechte Stadt bietet uns viele Möglichkeiten, die Verkehrs- und Bauwende hin zu einer klimaresilienten Stadt der Zukunft zu entwickeln“, sagt Präsidentin Theresa Keilhacker dem Checkpoint. So sollte man „vom Auto dominierte Flächen für andere wertvolle Nutzungen frei machen und in großem Stil entsiegeln, um die Versickerungsfähigkeit des Bodens zu vergrößern und damit dem Klimawandel standzuhalten“. Es brauche einen stärkeren Nahverkehr und eine „massiv ausgeweitete Parkraumbewirtschaftung“, um große Parkplatzflächen zurückzugewinnen – auf diesen könnten dann etwa Bäume gepflanzt werden. Kurzum: Parkflächen werden zu Parkflächen.
Und es bewegt sich schon was. Für den Rückbau des Autobahnstücks A104 am Breitenbachplatz ist gerade der Schinkel-Wettbewerb für Nachwuchs-Architektinnen und -Architekten ausgelobt worden (Details hier). Hierbei ist laut Keilhacker die Nutzung der vorhandenen Autobrücken mit geringeren Lasten möglich, so dass nicht im großen Stil „graue Energie“ abgerissen werden müsse. Auf Brücken können ja auch kleinere Bäume wachsen. Und größere Träume sowieso: Die Architektenkammer fordert für den Stadtumbau viele lokale Gestaltungswettbewerbe, um eine ausgewogene Mischung von Freiraum und Dichte zu finden. Damit Berlin nicht mehr andauernd dicht ist.
Und was denken Sie? Sollte Berlin seinen Straßenraum entsiegeln? Wenn ja: wo genau? Und was soll dort stattdessen entstehen? Schreiben Sie uns gerne an checkpoint@tagesspiegel.de. Und erzählen Sie uns, welche Parkflächen Ihnen vor Ihrer Haustür die liebsten wären. Danke!