Wie Berlins Taxifahrer nach der Einheit neue Straßennamen lernte

Jetzt müssten die Berliner Taxifahrer „mächtig büffeln“, berichtete der Tagesspiegel im Wiedervereinigungsjahr 1990. Einigen fiel das leichter als anderen. Von Robert Ide

Wie Berlins Taxifahrer nach der Einheit neue Straßennamen lernte
Foto: Wolfgang Kumm/picture alliance/dpa

In der Krise, in der gerade viele Menschen auf sich zurückfallen, lohnt es sich, aus dem Fenster der eigenen Wahrnehmung hinauszugucken. In die Stadt und ihre reichhaltige Geschichte. Sie zeigt, dass Berlin in Ausnahmesituationen immer stark war. Weil die Menschen hier findig genug sind, sich wie die Stadt ständig neu zu erfinden. Und sich so gegenseitig zu finden. „Berliner Taxifahrer müssen jetzt mächtig Straßennamen büffeln“, berichtete der Tagesspiegel vor 30 Jahren im Dezember des Wiedervereinigungsjahres 1990. „Die Ost-Taxifahrer müssen gut 6000 Straßen, Plätze und einschlägige Adressen im ehemaligen West-Berlin, die Westler rund 2000 im ihnen recht unbekannten anderen Teil lernen.“ Allerdings fiel unserem Reporter Ekkehard Schwerk auf, dass „Ost-Berliner Fahrern die ganze Stadt geläufiger ist als manchem Westler. Warum? Wahrscheinlich gibt es im Ostteil verhältnismäßig mehr ‚echte‘ Berliner als im Westen – was auch am Dialekt zu hören ist, nicht nur im Taxi.“ Nich’ zu glooben, aber wahr.