Berlin muss sich auf drastisch verschärfte Luftgrenzwerte einstellen
Bald dürfte ein neues Feinstaub-Limit für die Stadt gelten – und diese Werte überschreitet Berlin an 106 Tagen im Jahr. Jetzt schlägt die Verwaltung Alarm. Von Stefan Jacobs
Inmitten des Sondierungsgebrumms kam gestern lautlos die von der Umweltverwaltung versandte Meldung „Berlin entwickelt neue Luftreinhaltungsstrategie 2030“ an. Dabei enthält sie am Ende eines langen Textes eine Tabelle, bei der einem der Atem stocken kann: Aufgeführt sind die Berliner 2020er-Luftgütewerte im Vergleich zu den Empfehlungen der WHO von 2005 und den 2010 eingeführten EU-Grenzwerten. Letztere hat Berlin durchweg eingehalten, aber nun hat die WHO verschärfte Richtwerte veröffentlicht, an denen sich auch die EU orientieren dürfte. Das neue Limit für ultrafeinen Staub wurde demnach an 106 Tagen überschritten, das für Stickstoffdioxid – das hauptsächlich aus Dieselmotoren stammt – an 290 Tagen. Beim Feinstaub kommt zwar viel von auswärts, aber der hausgemachte Teil stammt überwiegend aus dem Straßenverkehr – und zwar nicht mehr aus dem Auspuff, sondern von Brems-, Reifen- und Fahrbahnabrieb. Perspektivisch bedeutet das zwangsläufig: Mehr Bullerbü wagen oder sich von EU und Gerichten was husten lassen.