Berliner Literaturpreis 2021 für Poetin Monika Rinck
Gewinnend verlieren kann man sich in den Texten von Schriftstellerin Monika Rinck. Wir präsentieren einen Textauszug der prämierten Lyrikerin. Aus dem Checkpoint. Von Robert Ide
Lesen und leben lassen – was soll man sonst machen in diesen umnachteten Tagen? Gewinnend verlieren kann man sich in den Texten von Schriftstellerin Monika Rinck, die mit ihrem „Begriffsstudio“ feine Poesie aus Moabit online ausliefert und dafür jetzt den Berliner Literaturpreis gewann. Blättern wir mal rein in ihren Text „Markthalle, du frittiertes Musical“ und lesen nach, was man vom Leben ohne Worte nicht vermissen muss, wenn man sich von guter Sprache ernährt:
„Wir sind freilich sehr froh, sie gerettet zu wissen. Vollgestellt mit Palmen. Umschwirrt von Friteusen. Brunchisten. Modistinnen. Maßnehmenden Schneidern. Ausstattern. Dem unterschiedlichstem Handwerk. Den beineschwenkenden Tanzgruppen vorm Fischstand. Wir begrüßen selbst die Herren mit dem automatischen Riesensynthesizer, falls es sich bei dem Gerät nicht um etwas noch nöcheres handeln sollte. Und das bittersaure Ingwerbier ohne Kohlensäure, das begrüßen wir auch. In der Tat begrüßen wir den so immens zarten ausgebackenen frischen Fisch der alle zehn Minuten erneuert wird, und wir begrüßen Austern. Und Champagner. Und von Champagner kaum zu unterscheidenden Weißburgunder Winzersekt von der Nahe. Wir sind froh, sie gerettet zu wissen. Und waschen die Haare, waschen die Haare nach jedem Besuch.“