Nach Angriff auf Kiew: Berliner Polizei behindert Trauerkundgebung

Nach einem schweren Bombenangriff am Montagabend in Kiew gab es einen Trauermarsch der Ukrainer in Berlin. Die Polizei verbot den Rednern jedoch, in ihrer Landessprache zu sprechen. Von Robert Ide

 Nach Angriff auf Kiew: Berliner Polizei behindert Trauerkundgebung
Foto: REUTERS/Christian Mang

Zu den traurigen Realitäten unserer Welt von heute gehört: Russland terrorisiert weiter Europas Zivilbevölkerung. Am Montag ließ Kriegsdiktator Putin unter anderem das größte Kinderkrankenhaus der Ukraine in Kiew bombardieren, bei einem der schwersten Luftangriffe auf den Nachbarstaat starben mindestens 37 Menschen. Sahra Wagenknecht, deren Populismus-Bündnis beständig das angegriffene Land zu einem Waffenstillstand zulasten der eigenen Freiheit auffordert, äußerte sich zum russischen Bombenterror am Montag nicht. Was auch alles sagt.

Nichts sagen durfte gestern Abend zudem die trauernde ukrainische Gemeinde bei einer Demonstration vor der russischen Botschaft. Die Berliner Polizei erließ überraschend eine beschränkende Verfügung, dass keine Redebeiträge auf Ukrainisch erfolgen dürften. Zur Begründung erklärte die Polizeiführerin vor Ort, man habe keinen Dolmetscher auf Ukrainisch und könne die Redebeiträge deshalb nicht kontrollieren. Der richtige Hinweis von Patrick Heinemann, Anwalt der Vertretung ukrainischer Menschen in Deutschland Vitsche, dass bei der Trauerkundgebung keinerlei Anzeichen für eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe, wurde weggewischt. Für Heinemann ist das „grob rechtswidrig“, da die Beweislast für unzulässige Beiträge auf Ukrainisch bei der Polizei liege. Maria Borysenko von Vitsche sagte dem Checkpoint am Abend: „Unsere Sprache, die schon so oft unterdrückt wurde, ist wichtig für unsere Identität, für unsere Trauer. Gerade an diesem Tag.“

Kaum zu glauben, dass Berlins Polizei dies nach einem solch dramatischen Angriff nicht auch ohne Dolmetscher versteht.