Experte im Mobilitätsausschuss: Große Mehrheit der Berliner Verkehrstoten seit 2020 waren Fußgänger und Radfahrer
Am Mittwoch hörten Abgeordnete Fachleute zum Thema Verkehrssicherheit an. Die Botschaft der Experten: Es muss dringend etwas geändert werden. Gefährdet seien vor allem ältere Fußgänger. Von Stefan Jacobs.
Der Mobilitätsausschuss des Agh hat gestern lange über Verkehrssicherheit debattiert – und bekam von Fachleuten erhebliche Versäumnisse vorgehalten: Unfallforscher Siegfried Brockmann bezeichnete das gleichzeitige Grün für Geradeausverkehr und Abbieger zugunsten des Verkehrsflusses als Gegenteil der im Koalitionsvertrag stehenden „Vision Zero“. Anika Meenken vom Verkehrsclub VCD forderte Konsequenz gegen sichtbehinderndes Falschparken sowie konsequente Entschleunigung: Tempo 30, lokal auch weniger. Fußgängerlobbyist Roland Stimpel dokumentierte anhand von 147 tödlichen Unfällen seit 2020, dass mehr als drei Viertel der Opfer ohne schützende Hülle unterwegs waren und die Hälfte der getöteten Fußgänger älter als 70 Jahre – „eine Gruppe von Menschen, die sehr erfahren sind“, nicht risikofreudig, nur relativ langsam. Stimpels Fazit: Bei der Prävention müsse man eher die Gefährder in den Blick nehmen als die potenziellen Opfer.