Immer mehr Pannen am Flughafen Tegel

gut gelandet in diesem Tag? Dann wohnen Sie offenbar nicht in Tegel. Denn hier wird inzwischen nur noch gewartet und gestrandet. Wie verrückt man in die Berliner Luft, Luft, Luft gehen kann, erzählen Ihnen hier – exklusiv für Abonnenten – vier unserer Leserinnen und Leser mal ein bisschen ausführlicher:

1.) Letzter Aufruf KLM, es twittert Handelsverband-Geschäftsführer Stephan Tromp:
„Es gibt Dinge, die gibt es nur in Berlin: Flughafen Tegel wegen Gewitter gesperrt. Mein Flug nach Schönefeld umgeleitet. Flieger auf dem Gelände des neuen BER geparkt. Ergebnis: Passagiere dürfen Flugzeug nicht verlassen, weil BER nicht in Betrieb. Realsatire, oder?“ Später ein Update: „Nach zwei Stunden Warten werden wir jetzt aufgetankt: Fliegen dann von Schönefeld nach Tegel. Auch für Vielflieger wie mich eine Premiere!“

2.) Letzter Aufruf Easyjet, es schreibt unsere elternzeitende Kollegin Constanze Nauhaus:
„Wir sind auf dem Hinflug Tegel – Brindisi mit etwas Verspätung losgeflogen, weil sich kein Fahrer für dieses kleine Auto fand, dass uns aus der Parkposition ziehen sollte. Und auf dem Rückflug konnten wir erst mit etwas Verspätung aussteigen, weil sich kein Fahrer für die Treppe fand, um uns hinunterzulassen. Beides in Tegel passiert, in Süditalien lief am Flughafen naturalmente alles glatt.“

3.) Letzter Aufruf Eurowings, notiert von unserem Leser Alexander Legowski:
„Am Montag, den 3.6. kommt abends um 21 Uhr die Nachricht: Flug am 4.6. um 8.50 Uhr von London nach Berlin ist gestrichen. Man dürfe sich eine Umbuchung aussuchen. Ich wähle Köln/Bonn um 9.15 Uhr ab London. Aus der Buchung für den Anschluss nach Berlin um 12.30 Uhr werde ich rausgeworfen, darf erst 13.45 Uhr buchen. Statt in Tegel bin ich um 11.45 Uhr in Köln. Versuche am Transitschalter auf 12.30 Uhr umzubuchen, da mittlerweile zwei SMS anzeigen: Der Flug um 13.45 Uhr verschiebt sich auf 14.15 Uhr und ist ausgebucht mit Handgepäckrestriktionen. Geht nicht, denn wer Basic bucht und umbucht, darf nicht mehr wechseln. Ich schaue dem (pünktlichen) Flug um 12.30 Uhr hinterher. Mein Einwurf, dass da noch Plätze frei sind und ich ja eh schon der Streichungspolitik der Eurowings zum Opfer gefallen bin, versteht der Computer nicht, bedauert der Mitarbeiter. Das Boarding für den Flug beginnt um 14.15 Uhr – der eigentlich verspäteten Abflugzeit. Da offenbar die Lesegeräte ausgefallen sind, werden alle Passagiere einzeln über ihre Check-in-Nummer abgefertigt, diese Nummer ist auf den kleinen Bildschirmen der Smartphones oft nur schwer zu finden, eine Geduldsprobe. Beim händischen Boarding gab es Fehler, der Kapitän weigert sich zu fliegen, es wird nach einzelnen Passagieren gefahndet und geprüft, ob sie Gepäck aufgegeben haben. Schließlich startet die Maschine mit mehr als 80 Minuten Verspätung. Für mich hieß das: Statt aus London um 11.45 Uhr in Tegel zu landen, setzte ich um 16.03 Uhr (Anzeige im Terminal) auf.“

4.) Letzter Aufruf Lufthansa, durchlebt von unserem Leser Marcel Gehner aus Gatow und aufgezeichnet von meinem Kollegen André Görke:
„Ich musste morgens mit der Lufthansa von Tegel nach Frankfurt am Main zu einem Termin fliegen. Los sollte es um 8.15 Uhr gehen. Als alle in der Maschine saßen, sagte der Kapitän: ‘Hier blinkt ein Licht, das nicht blinken sollte.‘ Also: Parkposition irgendwo am Rand. Nach 75 Minuten Wartezeit der zweite Anlauf. Dann wieder der Kapitän: ‘Hier blinkt wieder ein Licht – wir bleiben am Boden.‘ Uhrzeit: 10 Uhr. Anschließend: Alle sollen in die Nachbarmaschine – die stand da noch, weil am Tag zuvor zahlreiche Flüge wegen eines Unwetters ausgefallen waren. Dummerweise darf man ja nicht quer über den Flughafen laufen, und dummerweise dauert es eine Stunde, bis ein Bus aufzutreiben ist. Ausstieg: 11.15 Uhr – drei Stunden nach dem geplanten Abflug. Dumm nur, dass die Passagiere vor der Crew an der neuen Maschine ankommen – und weiter 20 Minuten warten müssen, verloren bei 35 Grad auf dem Flugfeld vor der verschlossenen Maschine. Die ersten Fluggäste geben schließlich auf und fahren wieder in ihre Firmen. Dann endlich: Einstieg, erneutes ‘Willkommen an Bord‘ der Stewardessen, hinsetzen, noch mal Sicherheitshinweise (‘So schließen Sie ihren Gurt‘) und dann: Abflug – Uhrzeit 12:15 Uhr. Getränke: 0. Essen: 0. Worte der Entschuldigung: 0.“
Falls Sie das alles nicht glauben können, hier ein Bild der Passagiere auf dem Boden der Berliner Tatsachen. Und wenn noch irgendwer über den täglichen Bahnsinn klagt: Auf dem Verfluchthafen Tegel hat er längst Methode.