Geringes Behördeninteresse an Abwasseruntersuchung: Berliner Abgeordnete von SPD und Grünen fordern Teilnahme an internationaler Drogenstudie
Außer der Landesdrogenbeauftragten interessiert sich in Berlin keine staatliche Stelle dafür, das Abwasser auf Drogen zu analysieren. Nun fordern zwei Fachpolitiker einen Kurswechsel. Von Margarethe Gallersdörfer.
Machen wir gleich weiter mit Drogen: Kokain verkrustet Europas Nasenlöcher wie noch nie zuvor. Das zeigen neue Abwasser-Daten zu Drogenkonsum in Großstädten, die das Tagesspiegel Innovation Lab vorab erhalten und für Sie visualisiert hat – hier entlang. Aber nicht zu früh freuen: Europas Partyhauptstadt Berlin ließ diesmal keine Drogenforscher in seine Klärwerke. Warum? Es sieht mal wieder nach der berlintypischen Melange (Wien ist übrigens dabei!) aus Desinteresse und Schulterzucken aus, gegen die wir explizit kein Aufputschmittel empfehlen. Aber eins nach dem anderen.
Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) haben kein Interesse, Drogen-Rückstände zu messen: „Wir sind die Wasserbetriebe, nicht die Kriminalpolizei“, hieß es. Wenn jemand anderes zahlt, würde man aber mitmachen. Macht Sinn. Die Justizverwaltung findet leider, eine Drogenuntersuchung im Abwasser stehe „nicht in Zusammenhang mit strafrechtlicher Verfolgung“. Einzig die Landes-Drogenbeauftragte hat Interesse, sogar „großes Interesse“ an den Daten, sagte die Gesundheitsverwaltung dem Tagesspiegel Innovation Lab. Bloß: Angemeldet hat sie es offenbar bisher gegenüber niemandem. Was für ein Trip!
Ein beteiligter Wissenschaftler schätzt, die BWB würden für die Analyse pro Jahr wenige Stunden Arbeit erbringen müssen – Auswertung und Co. finanziert die Europäische Drogenbehörde. Mehr als gerechtfertigt also das eloquente Behördenpingpong, das Sie hier in voller Länge nachlesen können!
Immerhin entwichen am Dienstagabend hoffnungsvolle Rauchschwaden dem Abgeordnetenhaus: „Einige Wasserproben zu untersuchen kostet nicht die Welt“, sagt der drogenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Vasili Franco – Gesundheitssenatorin und BWB möchten sich gefälligst einigen. Und auch die SPD-Fachfrau für Clubkultur, Tamara Lüdke, will den im Klo runtergespülten Daten nachgehen: Die Abwasseranalysen seien „sehr relevant“, um zu erkennen, welche Drogen in Berlin konsumiert würden. „Wir prüfen daher aktuell, wie eine konsequente Teilnahme Berlins gewährleistet werden kann.“
Damit bahnt sich schon die nächste Runde Berliner Drogen-Pingpong an: Sowohl die Gesundheitsverwaltung, die für die Prävention Interesse an den Daten haben könnte (und deren Drogenbeauftragte ein solches ja auch hat), als auch die Wirtschaftsverwaltung, deren Chefin Franziska Giffey Aufsichtsratsvorsitzende der Wasserbetriebe ist, sind SPD-geführt. Zählt beim sozialdemokratischen Turnier die Punkte: Team Checkpoint! Verlieren tut wie immer Berlin.