Wohnungstausch gelingt in München leichter als in Berlin
Das Konzept Wohnungstausch soll in Berlin neu angepackt werden. Interessierten wird der Weg zum Wohnungswechsel aber ziemlich erschwert. Die bayerische Hauptstadt zeigt, wie es anders geht. Von Robert Ide
So viel Optimismus muss man erst mal haben wie Umzugsunternehmen, die weiterhin in der Innenstadt auf Werbezetteln ihre Dienste anbieten. Denn aus Angst vor noch höheren Mieten bleiben alle lieber dort, wo sie gerade sind – selbst wenn ihre Wohnungen gar nicht mehr zu ihren gerade gelebten Leben passen.
Deshalb soll nun wie berichtet der Wohnungstausch in Berlin neu angepackt werden. Wer etwa seine zu große Bleibe in eine kleinere eintauschen möchte, soll innerhalb eines Jahres drei Angebote dafür bekommen – allerdings nur von den landeseigenen Wohnungsunternehmen, allerdings nur beim Tausch innerhalb der eigenen Gesellschaft und allerdings – na klar – nur zur jetzt gültigen ortsüblichen Miete. Letztere jedoch macht neue kleinere Wohnungen teurer als größere mit altem Mietvertrag. Zudem war das bisherige Verfahren so kompliziert, dass selbst Bausenator Christian Gaebler (SPD) von „einem Flop“ sprach.
Ein Vorbild für den Neustart kann München sein. Hier gibt es seit fünf Jahren eine von der Stadt betreute Wohnungstauschbörse, bei der neben kommunalen Wohnungsbaugesellschaften auch Genossenschaften und private Vermieter mitmachen. Seit zwei Jahren läuft die Suche digital, was den Behörden viel Aufwand erspart. „Bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und den Genossenschaften besteht die Möglichkeit, den Tausch innerhalb der Börse mit einem Tauschbutton digital anzuzeigen“, berichtet Frank Boos vom Münchner Amt für Wohnen auf Checkpoint-Anfrage. Derzeit würden 4.585 Menschen die Wohnungsbörse nutzen, jeden Monat kämen etwa 100 neue Interessierte hinzu.
Auch die städtische Gesellschaft „Münchner Wohnen“ blockiert das Tauschen nicht, sondern hilft aktiv mit – und teilt verglichen mit Berlin geradezu Revolutionäres mit: „Wer im freifinanzierten Bereich innerhalb unseres Bestandes umzieht, behält dabei grundsätzlich seinen bisherigen Quadratmeterpreis.“ So führt der Umzug in eine kleinere Wohnung tatsächlich zu einer geringeren Miete. Christian Müller, Geschäftsführer der Münchner Wohnen, sagt dazu dem Checkpoint: „Ich freue mich, dass wir bereits heute eine wachsende Bereitschaft bei unserer Mieterschaft sehen, Wohnungen je nach Lebenssituation zu tauschen.“ Dagegen können Berlins Möbelpacker tatsächlich einpacken.
Wie sind Ihre Erfahrungen, liebe Leserinnen und Leser? Machen Sie gerne mit bei unserer Umfrage oder schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse mit vergeblichen oder erfolgreichen Wohnungswechseln. Wir werden das Thema für Sie begleiten, am Donnerstagmorgen mit einem Kommentar im „Berliner Rundfunk“ sowie im Laufe der Woche mit weiteren Beiträgen im Tagesspiegel. Damit es sich irgendwann wieder lohnt, in Berlin umzuziehen.