Schludrige Schwänzer: Jeder fünfte Berliner lässt seinen Bürgeramtstermin verfallen

Die rare Ware Bürgeramtstermin wird berlinweit lax behandelt. Im Durchschnitt wird jeder fünfte geschwänzt. Doch ein Bezirk lässt alle anderen hinter sich. Von Lorenz Maroldt und Lotte Buschenhagen

Schludrige Schwänzer: Jeder fünfte Berliner lässt seinen Bürgeramtstermin verfallen
Im Durchschnitt nimmt jeder fünfte Berliner seinen Bürgeramtstermin nicht wahr. Symbolbild: Imago/Ikon Images

Schneckentempo reicht in der Regel auch, um nach einer Terminvereinbarung (wenn sie denn gelingt) pünktlich das Bürgeramt zu erreichen: Durchschnittlich 33,3 Tage vergehen zwischen der Buchung und dem Besuch (versprochen hatte uns die Regierende Bürgermeisterin 14 Tage). Schauen wir uns die Zahlen mal etwas genauer an (erstes Halbjahr 2022): Die längste Wartestrecke mutet uns Reinickendorf mit 47 Tagen zu. Auffällige Koinzidenz: Das Bürgeramt hat hier auch nur 34 Stellen besetzt. Am schnellsten geht es mit 27 Tagen in Mitte, besetzte Stellen hier: 80 – das sind berlinweit die meisten.

Mit etwas gutem Willen (und wer hat den nicht in Berlin) lässt sich ein leichter Trend zum Besseren erkennen – allein bis zum Juli dieses Jahres wurden bereits 1,174 Millionen Termine vereinbart, im gesamten vorpandemischen Jahr 2019 waren es 1,476 Millionen. Die Zahl der Besucher insgesamt (inkl. Notfallkunden und Spontanterminen) stagniert allerdings im Vergleich zu 2019.

So, lange genug um das heißeste Thema dabei herumgekreist: Wie viele Berlinerinnen und Berliner lassen denn nun ihre gebuchten Termine wirklich verfallen (ohne sie zu stornieren)? Sie erinnern sich: Franziska Giffey sprach zu Jahresbeginn von „bis zu 25%“, woraus sie eine Mitverantwortung der Kunden für den mangelhaften Service ableitete, und Monika Herrmann, Ex-BM von F’hain-Xberg, wollte Terminschwänzer sogar mit 20 Euro „Bearbeitungsgebühr“ bestrafen.

Hier die aktuellen Terminausfallzahlen für das erste HJ 2022:

Charlottenburg-Wilmersdorf 10%
Spandau 11%
Pankow 13%
Neukölln 16%
Lichtenberg17%
Treptow-Köpenick 18%
Steglitz-Zehlendorf 22%
Tempelhof-Schöneberg 22%
Marzahn-Hellersdorf 23%
Friedrichshain-Kreuzberg 24%
Reinickendorf 24%
Mitte 33%

Einmal den „Mathe mit Checkpoint“-Rechner angeworfen, Moment, macht zusammen… wow: 233%!

Und im Ernst: Berlinweit werden 19,4% aller vereinbarten Termine nicht wahrgenommen (ohne die verpeilten Mitte-Terminatoren wären es sogar nur 18,1%).

Vergeben werden die Termine aber trotzdem, versichert Staatssekretär Ralf Kleindiek – und zwar an Spontan- und Notfallkunden. Wer es also ohne nervige Vorabvereinbarung versuchen will, besitzt in Mitte die größten Chancen, gleich dranzukommen: Jeder dritte Kunde hat seinen Termin dort inzwischen vergessen oder dann doch an dem Tag etwas Besseres vor. (Q: Agh Drs 19/12 858, MdA Adrian Grasse, CDU).

Und wie sieht’s bei der Checkpoint-Community aus? Sind wir schludriger Durchschnitt, zuverlässig wie Charlottenburg-Wilmersdorf oder doch eher „Mir doch egal“-Mitte? Dafür brauchen wir jetzt Sie. Und bitte nur ehrliche Antworten (ist ja auch anonym):