Paris will „100 % fahrradfreundlich“ werden – und Berlin?
Das Fahrrad ist DAS Thema der Berliner Kommunalwahlen. Eine Kandidatin will die Stadt bis 2024 umgestalten. Das sagt Berlins Verkehrssenatorin zu dem Plan. Von Ann-Kathrin Hipp
Werfen wir einen kurzen Blick nach Frankreich: Knapp zwei Monate vor den Pariser Kommunalwahlen tritt Bürgermeisterin Anne Hidalgo (Parti Socialiste) ins Pedal und rückt das Fahrrad endgültig ins Zentrum ihres Wahlkampfs. „Als praktisches, ökologisches und wirtschaftliches Transportmittel können wir Paris eine ruhigere, grünere und angenehmere Zukunft ermöglichen“, schreibt sie und verspricht eine 100 % fahrradfreundliche Stadt bis 2024. Unter anderem geplant sind: mehr Radwege, mindestens eine Fahrrad-/Fußgängerstraße pro Bezirk, ein Netz aus begrünten Fahrrad- /Fußgängerstraßen, die Paris mit den Nachbargemeinden verbinden, 100.000 neue Fahrradparkplätze, die Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung (die den am stärksten gefährdeten Personen, Fußgängern und Radfahrern Vorrang einräumt), Präventionskampagnen, Werbekampagnen (Fahrradtourismus!) und die Förderung von Fahrradkursen ab dem Schulalter. Kostenpunkt: 26 Euro pro Einwohner pro Jahr (350 Millionen Euro in sechs Jahren). Das ist es ihr wert.
Und Berlin? Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) kommentiert auf Checkpoint-Anfrage: „Sehr viele Metropolen weltweit bauen ihre Infrastruktur umwelt- und klimafreundlich sowie sicher für alle Verkehrsteilnehmer*innen um. Dazu gehört elementar eine neu ausgebaute, attraktive, sichere Radinfrastruktur. Berlin geht mit seinen Plänen für geschützte Radwege, Radschnellverbindungen, Fahrradparkhäuser und ein neues Radverkehrsnetz einen vergleichbaren Weg wie Paris. Richtig ist aber auch, dass die Verwaltungsstrukturen in Paris und in Berlin sehr unterschiedlich sind.“ Paris wird zentral regiert, Berlin, ähm, nicht.