Angriffe auf Einsatzkräfte

Fast ebenso schockierend liest sich die Bilanz der Berliner Silvesternacht: Acht Feuerwehrleute sind angegriffen worden, 57 Einsatzfahrzeuge beschädigt – etwa durch Flaschenwürfe und Böller. Zehn Polizisten wurden verletzt. Es ist das erste Mal, dass eine solche Statistik erstellt wird, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Ohlwein, der mit seinem Einsatzfahrzeug selbst ausweichen musste, als sich ein paar Idioten von zwei Straßenseiten mit Böllern bewarfen. Selbst für den erfahrenen Feuerwehrmann (34 Dienstjahre) hat die Böllerei eine neue Dimension erreicht. Insgesamt 1600 Mal ist die Feuerwehr ausgerückt, am häufigsten in Neukölln, Kreuzberg und Schöneberg. Aber an dem Irrsinn auf den Straßen hätten alle ihren Anteil gehabt, sagt Ohlwein, auch die Öko-Hipster in Prenzlauer Berg. „Die Gesellschaft muss verstehen, dass es nicht geht, wenn man mit Feuerwerk auf Menschen schießt.“

Der Landesverband der Feuerwehr Berlin findet etwas deutlichere Worte in einem offenen Brief (mit sehr vielen Ausrufezeichen): „Ich könnte kotzen wie wir uns jedes Jahr anbiedern und um keine Gewalt gegen Einsatzkräfte betteln oder dazu Kampagnen für viel Geld gestartet werden. Wie lange sollen Einsatzkräfte noch ihre Gesundheit und ihr Leben durch solche Verbrecher gefährden lassen?!“, schreibt der Landesverbandsvorsitzende Sascha Guzy. „Wer mit Feuerwerkskörpern gezielt auf Mensch oder Tier schießt, begeht Mordversuch! Wer dazu noch Rettungskräfte angreift, greift auch unseren Rechtsstaat an. Das ist mit Terrorismus gleichzusetzen!“ Doch wie alle Jahre wieder verweht die Diskussion sicher auch in diesem Jahr spätestens mit dem letzten Weihrauch am 6. Januar und wird erst wieder rausgeholt, wenn der Großteil der Menschheit vollgefuttert unter Mutters Weihnachtsbaum liegt. Und erst wenn die letzte Familie zum Jahreswechsel nach Sylt geflüchtet ist, werdet ihr merken, dass Böllern was für Blödmänner ist.