„Hinter die Fichte geführt“: Bauunternehmen erhebt Vorwürfe gegen Berliner Wasserbetriebe
Eigentlich wollte die Kilian Immobiliengruppe Abwasserenergie unter der Holzmarktstraße für ein Bauprojekt nutzen. Den Zuschlag ging jedoch an einen unangekündigten Mitbewerber. Von Daniel Böldt.
Schlechte Stimmung auf der Holzmarktstraße, für deren Grund wir etwas ausholen müssen. Die Kilian Immobiliengruppe will an der Ecke Holzmarktstraße/An der Michaelbrücke zusammen mit der landeseigenen WBM das Wohn- und Bürogebäude „WIEWEIL“ errichten. Doch nun erhebt das Unternehmen schwere Vorwürfe gegen die Berliner Wasserbetriebe (BWB).
Für das Projekt wollte das Bauunternehmen Abwasserenergie aus einem Kanal unter der Holzmarktstraße nutzen. Die Gespräche seien weit fortgeschritten und sehr konkret gewesen, sagte Jan Lerch, ehemaliger Moderator der Berliner Abendschau und heute Projektleiter bei der Kilian Immobiliengruppe, dem Checkpoint. Doch Anfang des Jahres dann der Rückzieher: Ein anderes Bauprojekt bekommt die Abwasserenergie. Dabei soll es sich um den Büro- und Wohncampus „LXK“ handeln, für den am Mittwoch der Grundstein gelegt wurde.
Eine Sprecherin der BWB teilte dem Checkpoint mit: „Wenn es mehrere Interessenten gibt, erhält in der Regel derjenige den Zuschlag, dessen Projekt zuerst Umsetzungsreife erlangt.“ Problem: Laut Lerch sei von einem anderen Interessenten bei den Gesprächen zuvor nie die Rede gewesen.
„Wir sind es gewohnt, dass Bauen in Berlin oft länger dauert als anderswo, aber dass wir von einem kommunalen Unternehmen hinter die Fichte geführt werden, ist nicht hinnehmbar und projektgefährdend“, sagte Lerch dem Checkpoint. Die BWB wollten auf konkrete Fragen nicht antworten – auch weil „WIEWEIL“ sowie ein anderes Projekt, das nicht zum Zuge kam, bereits Klage angekündigt hätten.
Ein Verdacht von Lerch: Der LXK Campus werde von einer Eon-Tochter mit Energie versorgt. Eon ist Anteilseigner der Gasag, bei der das Land Berlin gerne die Mehrheit übernehmen würde. „Da bietet es sich an, freundlich zu sein“, sagte Lerch dem Checkpoint. „Alle Entscheider im Bereich Energie wissen das. Es sieht so aus, als seien wir ein Kollateralschaden der Rekommunalisierungsstrategie des Landes Berlin.“ Die BWB teilten mit: Andere „vermutete Gründe“ als das Prinzip First Come, First Served spielten „ausdrücklich keine Rolle“. Fortsetzung folgt.