Schriftsteller lesen Wendeliteratur in Pankow

„Ach Ben, Ben, wo bist Du vor einem Jahr gewesen, wo vor drei Jahren? Welche Straßen bist Du gegangen, in welchen Flüssen hast Du gebadet, mit welchen Frauen hast Du geschlafen? Wiederholst Du nur eine geübte Geste, wenn Du mein Ohr küßt oder die Armbeuge?“ So rasant wie ein reißender Strom beginnt „Franziska Linkerhand“, der ungealterte und doch unvollendete Roman der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann. In jeder Zeile, fast schon leichtsinnigerweise von der Staatsführung 1974 postum zur Veröffentlichung freigegeben, war hier Leidenschaft zum Leben zu lesen, und hinter vielen Buchstaben viel Kritik herauszuhören am halben Deutschland, dass weder demokratisch noch eine Republik war und 1989 endlich über sich selbst fiel. Da war Brigitte Reimann längst schon zu früh gestorben. Doch ihre Texte leben weiter, wie auch sonst eine Menge DDR-Literatur das Land ihres Entstehens überdauert hat – mit feinen Beobachtungen, die die Revolution oft vorwegnahmen.

Aus solch freien Stücken lesen am Donnerstagabend im Schloss Schönhausen, dem einstigen Gästequartier der DDR-Führung, Schriftstellerinnen wie Daniela Dahn und Franziska Hauser. Auch Winfried Völlger und Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) sind beim musikalisch-literarischen Abend dabei, mit dem das Bezirksamt und der Tagesspiegel ein weiteres Mal gemeinsam „Geschichte von unten“ erzählen wollen. Ich selbst darf dabei aus Brigitte Reimanns Liebesroman vorlesen. Der Eintritt ist frei, aber frei sind auch nur noch wenige Plätze. Für Checkpoint-Leser verlosen wir fünf mal zwei Platzkarten – einfach per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de. Wir freuen uns auf Sie – und auf einen reißenden Strom an Worten, die man am besten zwischen den Zeilen zu fassen bekam.