CDU wählt neuen Landesvorsitzenden – und schimpft auf die Medien

So, und jetzt schauen wir erstmal in Kai Wegners Eckkneipe „Zum christdemokratischen Glück" vorbei:

Die heutige Lektion im Kurs „Mathe lernen mit dem Checkpoint“ wird Ihnen präsentiert von der Berliner CDU. Die Aufgabe: Kai Wegner wurde mit 76,9 Prozent zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Dazu twitterte Fraktionssprecher Olaf Wedekind: „Kai Wegner 100 % glücklich!“ Frage: um wie viele Prozentpunkte glücklicher wäre Wegner bei einem Ergebnis von 100 Prozent gewesen? Ok, das war leicht, einfacher Dreisatz: um 30,039 Prozent glücklicher, mehr war für Wegner nicht drin.

Zum Vergleich: Monika Grütters hatte bei ihrer ersten Wahl zur Landesvorsitzenden 82 % auf ihrer Seite, Frank Henkel 85,5 %, Ingo Schmitt 83 %. Die drei Vorgänger Wegners waren also am Anfang alle etwas glücklicher – aber lange hielt das Gefühl bei keinem an. Den Bezirksfürsten der Berliner CDU war es am Ende noch immer egal, wer unter ihnen als Vorsitzender dient.

Die Schuldfrage für den erbarmungswürdigen Zustand der CDU wurde aber immerhin endlich geklärt: „Sensationslüsterne Journalisten“ mit ihren „knalligen Überschriften“ sind die Übeltäter, und hinterher haben sie sich auch noch „die Hände gerieben“, stellte Wegners Vorgängerin Monika Grütters fest – tja, auch die Staatsministerin für Kultur und Medien trötet jetzt also das Lied der Populisten. Und da marschiert Fraktionschef Burkard Dregger gerne mit: Wenn Journalisten anrufen, rät er, soll sich die CDU „verteidigen“. Mit dem Finger auf dem roten Knopf, der Feind steht eben überall, da braucht’s eine Festung – und drinnen sind wir uns selbst genug! Na dann viel Spaß. Annika Leister kommentiert das heute in der „Berliner Zeitung“ so: „Wer schwach ist und von der eigenen Schwäche ablenken will, für den war Medienschelte schon immer der einfachste Ausweg.“ So ist es.