Die Akte zum gemobbten Lehrer
Welche Werte werden in Berlins Schulen vermittelt? Lehrer Oziel Inácio-Stech ist an der Carl-Bolle-Grundschule in Moabit von Schülern schwulenfeindlich gemobbt worden; sein Fall bewegt inzwischen das ganze Land. Besonders pikant für die Verwaltung bis hinauf zu Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU): Niemand seiner Vorgesetzten wollte ihm helfen. Er wurde sogar vom Opfer zum Täter gemacht durch die offenbar haltlose Anschuldigung einer Kollegin, er als schwuler Mann habe sich ihm anvertrauten Schülern auf unangemessene Weise genähert. Nun haben meine Kolleginnen Saara von Alten und Margarethe Gallersdörfer Einblick in Akten zum Fall genommen und fördern dabei erneut verstörende Details zutage.
Der Konrektor der Schule hat demnach Inácio-Stech am 17. September 2024 über die Internetwache der Polizei wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht angezeigt. Eine Lehrerin hatte zuvor als Zeugin unter anderem erzählt, die Schüler hätten gesagt, „dass er Frauen hasse und sie alle töten möchte“, dass er Kinder „zum Essen gezwungen“ habe und dass sie sich unwohl gefühlt hatte, weil der Lehrer „sehr nah“ bei ihnen saß. Die Polizei hat daraufhin eine Schülerin befragt. Diese sagte, grob zusammengefasst, dass die Vorwürfe alle nicht stimmen würden und sie sich nicht unwohl gefühlt habe. Sie sagte ebenso, dass Schulpersonal ihr gesagt habe, dass Inácio-Stech „kein guter Lehrer“ sei und dieser „weg soll“. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin das Ermittlungsverfahren eingestellt. Offiziell entlastet von den Vorwürfen wurde Inácio-Stech von der Schulleitung oder der Bildungsverwaltung bis heute nicht.
Nachdem der Lehrer Einblick in die Polizeiakte hatte, schrieb sein Anwalt den viel diskutierten Hilfebrief an die Senatorin. Diese las ihn nicht. Was ansonsten in den Ermittlungsakten zum Fall steht und welche Widersprüche es in dem Fall weiterhin gibt, lesen Sie im großen Report hier.