Union Berlin
Ist der Fußball politisch? Beim 1. FC Union gerade ziemlich – zumindest in der Chefetage. Der Ex-Manager und aktuelle Chefscout Oliver Ruhnert will als Berliner BSW-Spitzenkandidat in den Bundestag einziehen. Am Samstag stand er aber erstmal in Union-Jacke wieder im Stadion und brachte die BSW-Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen mit in die Alte Försterei. Passend dazu stimmte Vereinspräsident Dirk Zingler einen Fangesang auf ihn an: Ruhnert wisse heute, „wie wir in Ostberlin ticken, deshalb finde ich es gut, dass er in Berlin für den Bundestag kandidiert“, lautet die recht unverhohlene Wahlwerbung im Interview mit der „Berliner Zeitung“.
Breit konnte er dort über Viktor Orbáns Stadionbesuch, die DDR, seine Sicht auf West- und Ostdeutsche („Wir sind ehrlicher, effektiver, schneller“) und die gesellschaftliche Lage sinnieren. Deutschland attestiert Zingler einen „großen Realitätsverlust. Wir benehmen uns wie in den letzten Jahren der DDR … Die Elite und das Volk leben aneinander vorbei.“ Nicht jedem Union-Fan schmeckt das. Unioner und Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk bereiten Zinglers Aussagen Pein wie ein Gegentreffer in der Nachspielzeit: Das ganze Interview falle unter „Ostdeutschtümelei und Kremlpropaganda“, resümierte er auf X. „Irre, wie ein kapitalistischer Unternehmer ein Lied auf den Sozialismus singt und dabei auch noch einen Ost-West-Graben schaufelt und dabei behauptet: Der Westen arbeitet am Graben.“