Poller und Betonboxen bieten zu wenig Schutz: Neue Ideen für Terrorschutz am Breitscheidplatz

Werden an der Gedächtniskirche schon bald keine Autos mehr verkehren? Das aktuelle Sicherheitskonzept ist jedenfalls sanierungsbedürftig. Der Experte des Landes gibt einen Einblick. Von Robert Ide

Poller und Betonboxen bieten zu wenig Schutz: Neue Ideen für Terrorschutz am Breitscheidplatz
Foto: imago images / Andreas Gora

Es gibt Orte in Berlin, die durch ihr Aussehen verraten, welche schlimmen Dinge hier passiert sind. Die im Weltkrieg zerbombte Gedächtniskirche erinnert an den von Deutschland entfesselten Nazi-Terror. Davor begrenzen große Lkw-Sperren und Stahlgitterkörbe mit Sandfüllungen den Breitscheidplatz, nachdem ein islamistischer Terrorist 2016 mit einem auf den Weihnachtsmarkt gelenkten Lkw 13 Menschen getötet hatte. Als Besucher der City West fragt man sich hier: Bleiben die Sperren jetzt für immer so? Die Antwort: nicht unbedingt.

Christian Schneider, europäischer Fachplaner für Zufahrtsschutz, hat im Auftrag des Landes Berlin neue Konzepte für den Platz entwickelt. Er betont zwar, dass die Lkw-Sperren der „wirksamste“ Terrorschutz seien. Betonklötze seien dagegen lebensgefährlich. Beim Anschlag auf den Breitscheidplatz „wäre ein Klotz 200 Meter weit geschlittert“, ohne den Lkw zu stoppen; das hätte noch mehr Opfer gefordert. Versenkbare Poller kommen hier auch nicht infrage, weil sich einen halben Meter unter dem Platz die Decke der U-Bahn befindet.

Über seine Konzepte darf Schneider öffentlich noch nicht sprechen. Aber er macht erste Andeutungen, wie unser Lokalreporter Cay Dobberke in seinem Bezirks-Newsletter (Abo hier) herausgefunden hat. Zum Beispiel: „Ein Lkw, der nicht in die Nähe kommt, ist keine Gefahr.“ So gerät der Verkehr der Umgebung in den Blick. Die örtliche SPD hat bereits vorgeschlagen, den motorisierten Verkehr nebenan auf dem Kurfürstendamm und der Tauentzienstraße auf Busse, Taxis, Lieferwagen und Rettungsfahrzeuge zu beschränken. Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) wirbt dafür, die südliche Fahrbahn der Budapester Straße am Breitscheidplatz für Autos zu sperren. Dann könnte der Mittelstreifen zu einer Barriere ausgebaut werden.

In der Fachwelt gelten auch Erdaufschüttungen als mögliches Terror-Hindernis. Sogar Begrünungen seien möglich, sagt Schneider und nennt moderne „Multibeete“ als „höchst wirkungsvolle“ Barrieren. Verkehrs- und Stadtentwicklungsverwaltung sind allerdings noch uneins über die Gestaltung des Ortes. Schöner kann der Breitscheidplatz ganz sicher werden.