Kritische Stimmen verboten: Neuer Berliner CDU-Abgeordneter Lucas Schaal droht Parteifreunden
Landesvorsitzender der Jungen Union will er werden. Kritischen Stimmen begegnet Lucas Schaal, Direktmandatsgewinner in Berlin-Mitte, dabei mit blanken Drohungen. Von Lorenz Maroldt
Hier wird der Neu-Abgeordnete Lucas Schaal seltsam verhaltensauffällig. Sie erinnern sich? Schaal ist der schwarze Punkt auf der ansonsten grüngefärbten politischen Innenstadtkarte Berlins, Direktmandat im Wahlkreis rund um die Friedrichstraße. Am kommenden Sonnabend will sich der bisherige Referent von Friedrich Merz zum Landesvorsitzenden der Jungen Union (JU) wählen lassen. Damit dabei nichts schiefgeht, versucht Schaal, kritische Stimmen zu unterdrücken – mit Drohungen gegenüber Parteifreunden.
Dazu schauen wir uns mal einen WhatsApp-Chat des JU-Landesvorstands an. Schaal veröffentlicht dort im Original eine Tagesspiegel-Anfrage an ein Parteimitglied, fordert mögliche „Hinweisgeber“ in der Gruppe auf, ihr „Gewissen“ zu prüfen und kündigt an:
„Alles weitere prüfen meine Anwälte, denn auch Redakteure reden recht viel ;-)“
Hohles Gequatsche – wir schützen unsere Quellen, auch wenn der großspurige JU-Chef von Mitte mit einer Armada von Jurastudierenden aufmarschiert. Seine Chat-Nachricht beendet Schaal übrigens mit dem süffisanten Hinweis, wer über „Interessantes zur JU“ reden möchte, könne ihn jederzeit wie gewohnt erreichen.